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Methadon (Gelesen: 8144 mal)
jeca78
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Beiträge: 82

Methadon
18. Juli 2006 um 12:11
 
Hallo Zusammen,

in unserem Bekanntenkreis gibt es leider den Fall dass der Sohn von Freunden drogensüchtig ist. Mittlerweile hat er schon einige Entgiftungen (ambulant) hinter sich. Von diesen halte ich eh nichts, weil man morgens in die Klinik kommt, und Nachmittags wieder geht.
Nun ist es so dass der Junge seit geraumer Zeit von einem Arzt betreut wird, der ihm Methadon verschreibt. Dieser Arzt scheint aber nur davon zu leben Methadon zu verticken, da er NIE normale Patienten bei sich im Wartezimmer hat, und auch sehr dubiose Arbeitszeiten hat. Die Eltern des Jungen sind da sehr naiv, und bemerken nicht dass der Arzt anstatt die Methadonmenge zu verringern, immer mehr erhöht. Egal wieviel Methadon ein Drogensüchtiger benötigt, solange er bares mit dabei hat, erhält er das auch.
Nun meine Frage, ist es wirklich üblich dass man in solchen Praxen bar bezahlt? Zahlt vielleicht einen Teil die Krankenkasse? Diese Eltern geben dem Arzt mittlerweile einige Hundert Euro im Monat.

Dass dies der falsche Weg ist brauchen wir nicht zu diskutieren. Leider wollen sich die Eltern nicht eingestehen wie schlimm die Situation wirklich ist  Griesgrämig
Außerdem scheint auch der Arzt mittlerweile gute Arbeit in Sachen Gehirnwäsche unternommen zu haben Ärgerlich
Kann ich den Arzt irgendwo melden? Bei Krankenkassen oder Ärztekammern? Oder gibt es einen Verbraucerverband für Patienten?

Hier sind doch auch Ärzte im Forum - vielleicht kennt sich jemand mit der Behandlungsmethode und der Abrechnung aus?

Vielen Dank für Feedback

Jeca78
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Kawarimono
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Beiträge: 3364

Re: Methadon
Antwort #1 - 18. Juli 2006 um 12:46
 
jeca78 schrieb am 18. Juli 2006 um 12:11:
Dieser Arzt scheint aber nur davon zu leben Methadon zu verticken, da er NIE normale Patienten bei sich im Wartezimmer hat, und auch sehr dubiose Arbeitszeiten hat.


Das ist normal. Diese Ärzte haben eine entsprechende Ausbildung. Die Arbeitszeiten richten sich wohl nach den Tagesrhythmen von Junkies. Es ist ein Substitutionsarzt. Und damit hat er eigentlich schon genug zu tun.

Zitat:
Die Eltern des Jungen sind da sehr naiv, und bemerken nicht dass der Arzt anstatt die Methadonmenge zu verringern, immer mehr erhöht. Egal wieviel Methadon ein Drogensüchtiger benötigt, solange er bares mit dabei hat, erhält er das auch.


Das ist nicht möglich, weil die BTM-Rezepte und Methadonmengen kontrolliert werden. Er rechnet den Beikonsum des Junkies ein. Je mehr das Heroin vom Methadon verdrängt wird, desto mehr Methadon muß er verschreiben.
Ein "Verringern" gibt es bei Drogensucht nicht. Der Patient hat die Wahl zwischen Entzug und Substitution.

Zitat:
Nun meine Frage, ist es wirklich üblich dass man in solchen Praxen bar bezahlt?


Ja natürlich. Niemand gibt einem Drogensüchtigen Geld auf Pump.

Zitat:
Zahlt vielleicht einen Teil die Krankenkasse? Diese Eltern geben dem Arzt mittlerweile einige Hundert Euro im Monat.


Dafür ist, soweit mir bekannt, das Versorgungsamt zuständig.

Zitat:
Dass dies der falsche Weg ist brauchen wir nicht zu diskutieren. Leider wollen sich die Eltern nicht eingestehen wie schlimm die Situation wirklich ist  Griesgrämig


Das kommt ganz darauf an. Jemand der nicht aufhören will, bekommen Sie nicht weg vom Stoff. Von daher ist es richtig die Verelendung aufzuhalten.
Mit Methadon an sich kann man steinalt werden und außerdem mal den Versuch wagen am normalen Leben teilzunehmen, statt hinter der Droge herzurennen.
Ich finde das schon ganz richtig. Andere chronisch Erkrankte läßt man auch nicht vergammeln, sondern versucht ihnen möglichst ein normales Leben zu ermöglichen.

Gescheit wäre es jetzt mal in Richtung Schule/Beruf zu arbeiten. Der junge Mann hat nun Zeit sich darum zu kümmern. Das hätte auch den Vorteil, daß er sich nicht so sehr mit irgendwelchem Beikonsum anderer Drogen beschäftigen kann.


Kawarimono
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Hema
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Beiträge: 6071

Re: Methadon
Antwort #2 - 18. Juli 2006 um 12:49
 
Ich würde mich parallel noch einmal beim örtlichen Gesundheitsamt und bei der örtlichen ÄK informieren, denn auch sowas gibt es. Das muss man im Einzelnen anschauen.
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Kawarimono
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Beiträge: 3364

Re: Methadon
Antwort #3 - 18. Juli 2006 um 13:04
 
Hema schrieb am 18. Juli 2006 um 12:49:
Ich würde mich parallel noch einmal beim örtlichen Gesundheitsamt und bei der örtlichen ÄK informieren, denn auch sowas gibt es. Das muss man im Einzelnen anschauen.


Was ist denn das? Der dümmste anzunehmende Drogendealer Deutschlands?

Das fliegt doch auf Dauer auf, wie man sieht. Mit 38 Jahre, war das jedenfalls eine äußerst kurze Arztkarriere.
Wenn sich die BTM-Rezepte alle in einer Ecke exorbitant häufen, oder ein Fahnder ein Methadonfläschchen draußen in die Finger bekommt weil jemand das verhökern will, ist der Arzt dran.

Sowas dürfte wohl die Ausnahme sein, wenn nicht ein Einzelfall.

Kawarimono
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jeca78
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Beiträge: 82

Re: Methadon
Antwort #4 - 19. Juli 2006 um 12:12
 
Hallo Kawarimono,

vielen Dank für diesen kurzen Einblick. Ich werde jetzt erst mal nachhaken ob der Junge wirklich das Methadon in der Praxis oder mit nach Hause nimmt. Die Eltern hatten bei ihrem letzten Urlaub für zwei Wochen im voraus bezahlt. Anscheinend hat ihm der Arzt aber gleich alles gegeben, und nach 3 Tagen war es wieder soweit dass er sich Geld leihen musste. Du hast ja Recht Kawarimono dass man immer mehr Methadon nimmt, aber bei ihm ist es ja so, dass er immer mehr Methadon nimmt, aber auch immer mehr Heroin. Mittlerweile spritzt er sich das Zeug nicht mehr in den Arm (also Vene) sondern am Oberschenkel usw. Außerdem ist er komplett angeschwollen. Da denke ich das liegt am Wasser im Körper.

Das mit diesen Substituitionsärzten wusste ich nicht. Ich dachte aber auch immer dass das Methadonprogramm so ne Art Entziehung auf langsame und schonende Art ist. Das mit der Zeit verringert wird, umd mal komplett damit aufzuhören.
Aber Du hast Recht, wenn er von allein nicht aufhören will, dann bringt dass ja nichts. An sich will er schon aufhören, und hat es auch ein paar mal geschafft, sobald er aber in der alten und gewohnten Umgebung ist, geht es wieder los. Dass sind auch seine größten Bedenken.
Wie gesagt sind die Eltern leider auch sehr blauäugig, im Endeffekt hat er keinen Grund aufzuhören, von Ihnen bekommt er Geld, frische Wäsche, ein Dach und Essen und Trinken.

Aber wie gesagt, ich informiere mich jetzt erst mal, ob der Arzt zeitweise untersucht und was es mit den Rezepten auf sich hat.

@Hema
Genau das hatte ich irgendwie in Befürchtung. Leider gibt es überall schwarze Schafe. Wie gesagt, ich schaue mir die Vorgehensweise des Arztes nochmal genau an.

An euch beide - vielen Dank für eure Antworten. Ich werde Euch auf dem laufenden halten.

Gruß

Jeca
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Kawarimono
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Beiträge: 3364

Re: Methadon
Antwort #5 - 19. Juli 2006 um 13:06
 
jeca78 schrieb am 19. Juli 2006 um 12:12:
Außerdem ist er komplett angeschwollen. Da denke ich das liegt am Wasser im Körper.


Nur kurz, später mehr:

An Hepatitis B oder C denken!
Das muß in jedem Fall untersucht werden. An den Opiaten liegt das wahrscheinlich nicht. Das muß was anderes sein.

Beikonsum darf zum Methadonprogramm nicht stattfinden. Das ist nicht der Sinn.

Kawarimono
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Hema
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Beiträge: 6071

Re: Methadon
Antwort #6 - 19. Juli 2006 um 13:48
 
Könnte auch ein Eiweißmangel sein oder eine Herzschwäche, das kommt ja bei Drogenabhängigen auch vor. Man sollte den jungen Mann noch mal woanders vorstellen... Ist eigentlich auf HIV getestet?
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jeca78
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Beiträge: 82

Re: Methadon
Antwort #7 - 19. Juli 2006 um 16:08
 
Weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wie gesagt, die Eltern vertuschen und verdrängen es. Wir bzw. ich rede halt mit dem älteren Bruder und seiner Frau.
Müsste ich mal nachfragen.

Heute habe ich aber erfahren, dass Kawarimono recht hat. Er muss immer in der Praxis seine Dosis nehmen. Habe jetzt der Schwägerin erklärt wie es vor sich geht.
Nur dass bei ihm eben der Beikonsum noch der Fall ist. Anscheinend hat sich jetzt was in den letzten Tagen geänder. Er hat jetzt dann einen Urintest. Wenn dieser negativ ausfällt bekommt er nochmal eine Chance für eine Entziehungskur.

Die Schwägerin ist mittlerweile auch komplett verunsichert was Krankheiten angeht. Schrubbt jedesmal wie blöd das Bad falls er zu Besuch war. Ist aber bei drei kleinen Kindern verständlich.

Komisch, ich dachte immer dass anschwellen käme von den Drogen oder Alkohol (siehe Elvis, Jim Morrison). Vielleicht blöde vergleiche, aber da hats man halt gut gesehen.
@Hema
Meinst Du bei einem anderen Arzt vorstellen?
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Hackethal
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Beiträge: 883

Re: Methadon
Antwort #8 - 19. Juli 2006 um 16:17
 
Ich plädiere für eine Abgabe reinen Heroins an nachweislich stark süchtige. Das Hamburger Model hat gezeigt, dass somit ein Leben in die "Normalität", sprich Wohnung, Arbeit usw. möglich ist.  Und es ist wohl deutlich besser der Arzt ist der "Dealer" mit reinem Heroin, als den tödlich getreckten Dreck von der Strasse konsumieren zu "müssen". Sucht ist und bleibt eine schwere Krankheit!

http://www.stephan-barth.de/medikame.htm
http://www.rauschnetz.de/drohi9.htm

Zitat:
Wir können in Hamburg auf 10 Jahre erfolgreiche Drogenpolitik zurückblicken und gemeinsam feststellen:

Die Grundentscheidungen sind getroffen. Nun müssen wir an der Umsetzung unserer Prämissen weiterarbeiten, um z. B. das von Hamburg angestoßene Projekt der kontrollierten Heroinabgabe in die Praxis zu überführen.

Dabei werden wir unsere drogenpolitischen Ziele konsequent weiterverfolgen:


Höchste Priorität haben:

die Bekämpfung des organisierten Drogenhandels,

die ausreichende Versorgung suchtkranker Menschen mit adäquaten Hilfsangeboten,

die Reduzierung der mit Sucht- und Drogenproblemen einhergehenden Belastungen für die Allgemeinheit,

die Gewährleistung der öffentlichen Ordnung

und die systematische Prävention.


http://www.hamburg.de/Behoerden/Pressestelle/Meldungen/tagesmeldungen/1999/okt/w...
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Wenn man über jemanden die Wahrheit  erfahren will, ist dieser jemand meiner Erfahrung nach der letzte, den ich fragen würde. (Dr. Gregory House)
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Kawarimono
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Beiträge: 3364

Re: Methadon
Antwort #9 - 19. Juli 2006 um 16:58
 
@ Hackethal: Ich auch. Mir leuchtet nicht ein, was an Methadon besser sein soll, als an Heroin.


jeca78 schrieb am 19. Juli 2006 um 16:08:
Komisch, ich dachte immer dass anschwellen käme von den Drogen oder Alkohol (siehe Elvis, Jim Morrison). Vielleicht blöde vergleiche, aber da hats man halt gut gesehen.


Das kommt ein bißchen darauf an,was man nimmt. Bei Opiaten ist die Hauptnebenwirkung die extreme Verelendung durch die Beschaffung und die Überdosierung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Heroin#Gesundheitliche_Gefahren_durch_den_Konsum

Ich sag ja: Wär das alles kein Problem könnte man mit dem reinen Konsum durchaus alt werden. Ob leistungs- und gesellschaftsfähig alt, ist eine andere Frage.

Schmerzpatienten, die bis an's Ende ihrer Tage Morphium bekommen sterben ja auch nicht daran.

Zitat:
@Hema
Meinst Du bei einem anderen Arzt vorstellen?


Ich finde auch. Wassereinlagerungen deuten auf alles mögliche andere hin, aber nicht Heroin oder Methadon.

Ich muß mal wieder mein Lied abspulen: Die Kontaktpersonen sollte UNBEDINGT komplett gegen Hepatitis B geimpft werden. Hep C geht ja leider nicht....
Bei einer eventuellen Exposition ist das für alle kostenlos, wenn man das beim Arzt angibt. Für die Kinder sowieso, wenn sie noch nicht geimpft sein sollten.

Zitat:
Wie gesagt, die Eltern vertuschen und verdrängen es.


Das ist alles nicht so einfach, wenn 24h am Tag Ausnahmezustand herrscht. Da flüchtet jeder irgendwann in die Normalität, und wenn es nur eine Scheinnormalität ist.
Ein grauenvoller Zustand.

Kawarimono
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