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Bericht einer Teilnehmerin eines Lehrerseminars (Teil1):
Zitat: Waldorf-Lehrerausbildung – Brief an die Berliner Schulaufsicht
Verfasst von Andreas Lichte am Mi, 2007-02-14 09:41.
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Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall
Beuthstraße 6 – 8
10117 Berlin
Berlin, den 30.1.2007
Sehr geehrter Herr Pokall,
mit diesem Schreiben möchte ich Sie auf die unhaltbaren Zustände im Berliner Seminar für Waldorfpädagogik aufmerksam machen.
Nachdem ich lange Zeit im politischen Bereich tätig war, entschied ich mich für eine berufliche Neuorientierung. Die Ausbildung zur Waldorflehrerin erschien mir als eine sinnvolle Lösung, weil ich mir dadurch eine intensive inhaltliche Arbeit in meinen Studienfächern Geschichte und Deutsch und die Entfaltung meiner musikalischen Fähigkeiten versprach. Ferner hoffte ich, meinen Wunsch, Wissen auf ganzheitlicher und künstlerischer Basis zu vermitteln, verwirklichen zu können.
Der Tageskurs begann am 11. September 2006. Weil ich während des Musikunterrichts wissen wollte, ob wir ein bestimmtes Lied einüben könnten – bei Waldorf wird viel gesungen – sowie nach der Atemtechnik beim Singen fragte, wurde ich zweieinhalb Wochen nach Beginn des Seminars zu einem Einzelgespräch mit dem Co-Seminarleiter und Musikdozenten, Herrn Steinmann, und der Eurythmielehrerin Frau Mast, gebeten. Herr Steinmann warf mir vor, unangemessene Fragen gestellt zu haben, die er als störend und nicht dem Thema zugehörig empfunden habe, und kritisierte mein angeblich unstrukturiertes Denken. Auch sei es äußerst fragwürdig, dass ich bei der Eurythmie zugegeben hätte, dass ich bei bestimmten Tanzbewegungen – wie von der Dozentin Mast gefordert – „nicht den Himmel in mir spürte“. Als zukünftige Waldorflehrerin müsse ich schließlich den Himmel in den Klassenraum bringen, die Wissensvermittlung sei zweitrangig. Das Gespräch endete mit einer erheblichen persönlichen Verletzung, da Herr Steinmann mir im Rahmen seiner Eigenschaft als Musikdozent – der selber kein Instrument beherrscht – ein völlig inakzeptables und unglaublich schlechtes Klavierspiel vorwarf.
Da ich nach zwei Wochen nicht gleich aufgeben wollte, entschied ich mich, die Ausbildung fortzusetzen. Durch dieses Gespräch sensibilisiert, fiel mir auf, dass die Atmosphäre im Waldorf-Seminar von Anfang an geprägt war von Vorsicht und Unbehagen seitens der Seminaristen, die befürchteten, negativ aufzufallen. Bis zum Tag meines Ausscheidens am 25. Januar 2007 hat sich keine lebhafte, von Wissenschaftlichkeit gekennzeichnete Diskussionskultur entwickelt. Fragen wurden nur in einem vagen, verschwommenen Rahmen gestellt. Die Theorien von Rudolf Steiner über Einteilung der Seelen in Empfindungs-, Verstandes-, Bewußtseinsseele, Seele in der Seele bzw. über die entsprechende Aufgliederung des Geistes in Lebensgeist, Geistselbst, Geistesmensch usw. wurden widerspruchslos hingenommen, ebenso die Belehrungen der Dozenten, dass der Existenzzweck der Erde in der ständigen Wiedergeburt des Menschen bestehe. Zu keinem Zeitpunkt wurde nach den Grundlagen für Steiners okkultes Wissen oder nach seiner Stellung in der heutigen Wissenschaft gefragt. Was nicht verwunderlich ist, da nicht genehme Fragen, wie es in der Eurythmie bei Frau Mast geschah, damit abgehandelt wurden, dass „Steiner das eben gesagt hat und alles andere Teufelszeug ist“.
Ich selber begann unter dem starken Anpassungsdruck sehr zu leiden, fürchtete ich nach dem Einzelgespräch den Ausschluß aus dem Seminar und die damit verbundene Arbeitslosigkeit. Dem Druck der ständigen Anpassung, der Verstellung und des Schweigens konnte ich nicht mehr standhalten. Er entlud sich am Dienstag, 23. Januar, als ich einen Text referierte, in dem Steiner behinderte Kinder als „seelisch minderwertig“ bezeichnet und als Lösung die Einwirkung des Ichs auf den Astralleib empfiehlt, der wiederum auf den Ätherleib einwirken soll, dieser weiterhin auf den physischen Leib Einfluß nehmen soll, usw. (siehe Steiner: „Heilpädagogischer Kurs“). Die vom Dozenten und Co-Seminarleiter Michael Handtmann anschließend vorgenommene Erklärung zum Umgang mit „gehandicapten“ Kindern, die wiederum auf die Teilung der Geister und Leiber abzielte, nahm ich zum Anlaß, diese Vervielfältigung von Geistern und Leibern als „schizophren“ zu bezeichnen. Trotz Rücknahme meiner Äußerung und offizieller Entschuldigung – ich hatte leider immer noch zuviel Angst vor einem endgültigen Bruch – wurde ich am folgenden Tage zu einem zweiten Gespräch gebeten. Dieses fand am 25. Januar mit Herrn Handtmann, Herrn Staschik, dem Dozenten für Plastizieren, und vier Seminaristen – zwei von ihnen wurden vom Seminar bestimmt – statt. Herr Handtmann eröffnete das Gespräch und teilte mir die Entscheidung des Dozentenkollegiums über meinen Ausschluß mit. Er sprach mir dann – entgegen der schriftlichen Beurteilung meines Mentors während des Praktikums an der Kreuzberger Waldorfschule – sämtliche Fähigkeiten als Lehrerin ab und bezeichnete diese Beurteilung als mäßig bis schlecht.