Pianoman schrieb am 06. November 2007 um 21:35:- @Besserwisser Fortsetzung -
Welche Schlüsse sind aus diese Beispielen zu ziehen ?
Forschung wird nicht nur durch wissenschaftliches, sondern auch durch ökonomischen Interesse bestimmt.
Dort, wo ökonomische Interessen überhand gewinnen, besteht latent die Gefahr, dass Forschungsergebnisse manipuliert werden. Nicht zuletzt deswegen ist zu intensiven Verbindungen zwischen Wirtschaft und Forschung immer mit einem gewissen Misstrauen zu begegnen.
Wissenschaftliche Forschung muss unabhängig sein und bleiben. Das allerdings ist vornehmlich eine Aufgabe der Politik, und deshalb abhängig von einem gesellschaftlichen Konsens über die Notwendigkeit unabhängiger Wissenschaftler.
Was aber gewiss keine Verbesserung der Situation erzeugt, ist ein pauschales Mißtrauen gegenüber der Art und Weise, wie Wissenschaftler aller Disziplinen Welterkundung betreiben. Und ich erinnere mich in diesem Zusammenhang immer an einen zutiefst philosphischen Satz des österreichischen Kabarettisten Werner Schneyder: "Es ist alles Scheisse, aber es gibt nichts Besseres !"
Pianoman
@ Pianoman
Ihre Beiträge sind wirklich angenehm und gut lesbar verfasst. Danke dafür.
Wie Sie richtig beschreiben, besteht die latente Gefahr, dass ökonomische Interessen die Überhand gewinnen. So hat nicht nur jede Fraktion einen unerbittlichen Interessenskampf und Wettbewerb untereinander, sondern steht auch im Wettbewerb mit den unterschiedlichsten Ideologien, die aber möglicherweise auch, da gebe ich Ihnen recht, ebenfalls überwiegend ökonomisch ausgerichtet sind.
Der Vollständigkeit halber sollten Sie allerdings auch Betrügereien und Manipulationen in der Gesamtmedizin ansprechen, die hier sehr gut deutlich gemacht sind: http://de.wikipedia.org/wiki/Betrug_und_F%C3%A4lschung_in_der_Wissenschaft
Dort sind alle Wissenschaftsbereiche exemplarisch aufgeführt und alleine im Bereich Medizin sind dort 13, z.T. schwerwiegende Fälle aufgeführt. Sicherlich wird es mehr geben.
In "Die Zeit" wurde 1997 ein Artikel zu diesem Thema verfasst, woraus ich etwas zitieren möchte:
Zitat:
Der Fall Herrmann zeigt allerdings, wie schwach die Mechanismen der Selbstkontrolle bei der wissenschaftlichen Wahrheitsfindung sind. Obwohl man bei der DFG meint, die fragliche Arbeit sei so gefälscht, daß das "jeder bessere Postdoc sieht", durchlief der Aufsatz von Herrmann, Kiehntopf und Brach vor der Veröffentlichung das übliche Review-Verfahren der Gutachter. "Und das sind ausgesprochene Experten, sie gehören zu den strengsten Gutachtern und bemerkten nichts", gibt der Freiburger Krebsforscher Roland Mertelsmann zu bedenken.
Doch trennt sich nicht im Laufe der Zeit von ganz alleine die wissenschaftliche Spreu vom Weizen? Einfach dadurch, daß falsche Ergebnisse nicht reproduziert und somit schlicht vergessen werden? Ganz so einfach ist es nicht, wie Erfahrungen aus den USA zeigen. Dort gab 1988 erstmals der Forscher Steven Burning eine Fälschung öffentlich zu und beschämte damit eine ganze Forschungsrichtung. Denn Burning hatte angeblich eine Droge für hyperaktive Kinder getestet und damit viel Anklang gefunden. Seine Publikation gehörte zu den meistzitierten Arbeiten auf diesem Gebiet, Therapievorschläge wurden entworfen, die auf seiner Arbeit basierten aber niemand machte sich die Mühe, Burnings falsche Experimente zu wiederholen.
"Dazu fehlt in vielen Fällen die Zeit und meist auch das Geld", sagt die amerikanische Fälschungsforscherin Marcel LaFollette, die am Center for International Science & Technology Policy an der George Washington University in Washington solche Fälle untersucht. Vor allem in der biomedizinischen Forschung, in der ein hoher Konkurrenzdruck herrscht, ist die Verführung groß, Daten auf ein gewünschtes Resultat hinzutrimmen. Dabei kann es sogar sein, daß die Ergebnisse richtig sind - obwohl die Daten, auf denen sie beruhen, frei erfunden waren.
"Betrug in der Forschung hat es immer gegeben und wird es immer geben", urteilt der Krebsforscher Roland Mertelsmann, der die internationale Szene kennt. Selbst Laborbücher könnten gefälscht werden - in diesem Falle dürften es auch die Kommissionen im Falle Herrmann schwer haben, je die Wahrheit zu finden. Immerhin haben die Vorgänge in Berlin das Dilemma von wissenschaftlicher Wahrheit und Fälschung nun auch in Deutschland ins öffentliche Bewußtsein gerückt. Doch wie läßt es sich lösen?"Zitatende
Einige Passagen stimmen sehr nachdenklich, zumal immer mehr Großkonzerne Einfluss auf die Politik nehmen. Sicherlich nicht immer zum Nutzen der breiten Masse. Der Staat als Regulierungsbehörde tut sich hier auch zunehmlich schwerer, da die Mittel zur Kontrolle sehr begrenzt sind. Es kann und darf m.E. nicht sein, dass Menschen nur noch den ökonomischen Interessen dienlich sind. Das schadet der Allgemeinheit mehr, als dass es ihr nützt. Ich denke, da sind wir absolut einer Meinung.
Millionen Menschen sterben jährlich in der "zivilisierten" Welt an den unterschiedlichsten Erkrankungen, die möglicherweise nicht sein müssten. Ich würde es als unerträglich erachten, wenn dabei ein großer Teil davon eben diesen ökonomischen Interessen geopfert werden würden. Und da spielt es absolut keine Rolle wer dadurch Verbrechen an andere Menschen begeht.
Fortsetzung:
[reason]Zitate als solche gekennzeichnet[/reason]