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Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ? (Gelesen: 31719 mal)
Pianoman
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Berlin
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Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #20 - 07. November 2007 um 10:20
 
Hallo ama,

ich habe mich bei der Darstellung nur auf Presseverlautbarungen bezogen. Selbstverständlich kann ich nicht beweisen, dass Nieber, Süss, Schmidt alle Preisanteile zurückgegeben haben. Bei Nieber besteht zumindest die begründetet Annahme.

Allerdings konnte ich auf der Seite von Heel die drei Namen immmer noch als Preisträger nachlesen.

Ich habe vor ein paar Minuten eine email an die Gesell­schaft für Homöopathie und Homotoxikologie e. V. mit der Bitte um Aufklärung geschickt.

Aber letztlich halte ich die Diskussion um den Hans-Heinrich-Reckeweg Preis nur für beschränkt wichtig.
Hier klopfen sich Homöopathen untereinander auf die Schulter. Was soll´s ?
Wäre es ein offizieller, neutraler Forschungspreis, wäre es doch was ganz anderes.

Wichtig ist für mich in diesem Zusammenhang das Funktionieren der wissenschaftlichen Kontrolle; selbst wenn diese nicht institutionalisiert auftritt.  

Pianoman      
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« Zuletzt geändert: 07. November 2007 um 13:44 von Pianoman »  

Aristotle was not Belgian, the principle of Buddhism is not "every man for himself", and the London Underground is not a political movement. Those are all mistakes, Otto. I looked them up. (A Fish Called Wanda)
 

 
Schau-ma-amoi
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Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #21 - 07. November 2007 um 10:36
 
Pianoman schrieb am 07. November 2007 um 10:20:
Wichtig ist für mich in diesem Zusammenhang das Funktionieren der wissenschaftlichen Kontrolle; selbst wenn diese nicht institutionalsiert auftritt.  


(Natur)wissenschaftliche Forschung impliziert die Kontrolle, Wissenschaft würde gar nicht anders funktionieren. Die Diskussion darüber ist obsolet. Ein Forscher, dem ein noch so kleiner Fortschritt gelingt, baut auf die Arbeiten seiner Vorgänger auf und kontrolliert sie damit auch gleichzeitig.

Dass Lügen kurze Beine haben, musste bekanntlich auch ein angesehener koreanischer Forscher erkennen. Er ist tief, sehr tief gefallen. Und das ist gut so:

http://cloning.ch/newsdetails.php?recordID=49
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Hema
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Beiträge: 6071

Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #22 - 07. November 2007 um 11:41
 
Pianoman schrieb am 07. November 2007 um 10:20:
Wichtig ist für mich in diesem Zusammenhang das Funktionieren der wissenschaftlichen Kontrolle; selbst wenn diese nicht institutionalsiert auftritt.



Schau-ma-amoi schrieb am 07. November 2007 um 10:36:
(Natur)wissenschaftliche Forschung impliziert die Kontrolle, Wissenschaft würde gar nicht anders funktionieren. Die Diskussion darüber ist obsolet. Ein Forscher, dem ein noch so kleiner Fortschritt gelingt, baut auf die Arbeiten seiner Vorgänger auf und kontrolliert sie damit auch gleichzeitig.



Das ist leider in dem beschriebenen Fall (Reckeweg-Preis) und vielen anderen nur von nachrangiger Bedeutung:

Auf die Meinung der Community zielt man gar nicht ab (weil man ja eh WEISS, dass es nicht funktioniert). Es geht nur um den Kunden, den Käufer im großen Markt Selbstmedikation und um die Nachfrage der Methoden und Mittel als "mündiger Patient".

Man läßt also jedesmal die Marketing-Maschine anlaufen, wenn

- ein "Beweis" von jemandem kommt, der halbwegs als Wissenschaftler durchgeht (um es den Kunden und vor allem den als Multiplikatoren erwünschten Meinungsmachern "Wissenschaftsjournalisten" zu verkaufen)
- eine breiter beachtete Studie/Sendung/Stellungnahme zur Wirkungslosigkeit kam (um mit wiederlegten Sachen, an die sich aber die Menge erinnert, gegenzuhalten)

Das und die dauernde seichte Meinungsmache von vielen unzureichend (aus-)gebildeten Wissenschaftsjournalisten oder Personen, die sich als solche betätigen, ohne jedoch wissenschaftlich zu DENKEN, verankert sich im Bewußtsein der potentiellen Kunden.

Die Korrekturen, die dann nicht mehr auf "Seite 1" sind, das normale Geschäft also, wird dann wenig wahrgenommen. Die häufig mangelnden (aber oft zur Enttarnung ausreichenden) Kenntnisse der Mittelstufenchemie tun ein Übriges. Mit anderen Worten: die Informierten will und braucht man nicht zu überzeugen, weil man weiss, dass das nicht geht. Man zofft sich zwar mit denen, aber nur so weit, wie es auch von Kundenseite positiv wahrgenommen wird. Für die genügt ein bisschen Schein. Augenrollen

Verstärkt wird das Ganze natürlich dadurch, dass man dem Käufer einflüstert, es sei so besonders schlau, wenn er diese Mittel und Methoden wolle. Ärgerlich

SO ein Verhalten, das auf so banale Bauchpinseleien hinausläuft, ist bei wissenschaftlichen Methoden und Mitteln weder notwendig, noch wird es gemacht. Da erklärt es sich von selbst, dass das schlauer ist als die Alternative.
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Schau-ma-amoi
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Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #23 - 07. November 2007 um 11:51
 
Hema schrieb am 07. November 2007 um 11:41:
Das ist leider in dem beschriebenen Fall (Reckeweg-Preis) und vielen anderen nur von nachrangiger Bedeutung:

Auf die Meinung der Community zielt man gar nicht ab (weil man ja eh WEISS, dass es nicht funktioniert). Es geht nur um den Kunden, den Käufer im großen Markt Selbstmedikation und um die Nachfrage der Methoden und Mittel als "mündiger Patient".

Man läßt also jedesmal die Marketing-Maschine anlaufen, wenn

- ein "Beweis" von jemandem kommt, der halbwegs als Wissenschaftler durchgeht (um es den Kunden und vor allem den als Multiplikatoren erwünschten Meinungsmachern "Wissenschaftsjournalisten" zu verkaufen)
- eine breiter beachtete Studie/Sendung/Stellungnahme zur Wirkungslosigkeit kam (um mit wiederlegten Sachen, an die sich aber die Menge erinnert, gegenzuhalten)

Das und die dauernde seichte Meinungsmache von vielen unzureichend (aus-)gebildeten Wissenschaftsjournalisten oder Personen, die sich als solche betätigen, ohne jedoch wissenschaftlich zu DENKEN, verankert sich im Bewußtsein der potentiellen Kunden.

Die Korrekturen, die dann nicht mehr auf "Seite 1" sind, das normale Geschäft also, wird dann wenig wahrgenommen. Die häufig mangelnden (aber oft zur Enttarnung ausreichenden) Kenntnisse der Mittelstufenchemie tun ein Übriges. Mit anderen Worten: die Informierten will und braucht man nicht zu überzeugen, weil man weiss, dass das nicht geht. Man zofft sich zwar mit denen, aber nur so weit, wie es auch von Kundenseite positiv wahrgenommen wird. Für die genügt ein bisschen Schein. Augenrollen

Verstärkt wird das Ganze natürlich dadurch, dass man dem Käufer einflüstert, es sei so besonders schlau, wenn er diese Mittel und Methoden wolle. Ärgerlich

SO ein Verhalten, das auf so banale Bauchpinseleien hinausläuft, ist bei wissenschaftlichen Methoden und Mitteln weder notwendig, noch wird es gemacht. Da erklärt es sich von selbst, dass das schlauer ist als die Alternative.


Ja, Hema, das sind aber zwei Dinge. Es ging nicht so sehr um den konkreten Fall, sondern um das Funktionieren des Systems an sich (Thread). Und dieses noch dazu im Gegensatz zur Welterklärung durch Religion u. ä.  

Esos akzeptieren entweder das System "Wissenschaften", so versuchen die Homöopathen ständig wissenschaftliche Beweise zu erbringen oder sie kritisieren das System an sich, stellen es in Frage - und das ist nun wirklich bedenklich. Und darum ging es mE hier.
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Hema
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Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #24 - 07. November 2007 um 12:18
 
Schau-ma-amoi schrieb am 07. November 2007 um 11:51:
Ja, Hema, das sind aber zwei Dinge. Es ging nicht so sehr um den konkreten Fall, sondern um das Funktionieren des Systems an sich (Thread). Und dieses noch dazu im Gegensatz zur Welterklärung durch Religion u. ä.  

Esos akzeptieren entweder das System "Wissenschaften", so versuchen die Homöopathen ständig wissenschaftliche Beweise zu erbringen oder sie kritisieren das System an sich, stellen es in Frage - und das ist nun wirklich bedenklich. Und darum ging es mE hier.


Ja, innerhalb funktioniert das System in den meisten Fällen.

Es funktioniert nicht (mehr) ausreichend, wie das aussen ankommt nach meiner Meinung. Auch da, wo über die Vergabe von Geldern entschieden wird oder über Ausrichtungen.  Zwinkernd
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Schau-ma-amoi
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Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #25 - 07. November 2007 um 12:20
 
Hema schrieb am 07. November 2007 um 12:18:
Ja, innerhalb funktioniert das System in den meisten Fällen.

Es funktioniert nicht (mehr) ausreichend, wie das aussen ankommt nach meiner Meinung. Auch da, wo über die Vergabe von Geldern entschieden wird oder über Ausrichtungen.  Zwinkernd


Schon wieder nix zum Streiten  Griesgrämig Geh i wieder.
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Besserwisser
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Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #26 - 07. November 2007 um 16:03
 
Pianoman schrieb am 06. November 2007 um 21:35:
- @Besserwisser Fortsetzung -

Welche Schlüsse sind aus diese Beispielen zu ziehen ?

Forschung wird nicht nur durch wissenschaftliches, sondern auch durch ökonomischen Interesse bestimmt.
Dort, wo ökonomische Interessen überhand gewinnen, besteht latent die Gefahr, dass Forschungsergebnisse manipuliert werden. Nicht zuletzt deswegen ist zu intensiven Verbindungen zwischen Wirtschaft und Forschung immer mit einem gewissen Misstrauen zu begegnen.
Wissenschaftliche Forschung muss unabhängig sein und bleiben. Das allerdings ist vornehmlich eine Aufgabe der Politik, und deshalb abhängig von einem gesellschaftlichen Konsens über die Notwendigkeit unabhängiger Wissenschaftler.

Was aber gewiss keine Verbesserung der Situation erzeugt, ist ein pauschales Mißtrauen gegenüber der Art und Weise, wie Wissenschaftler aller Disziplinen Welterkundung betreiben. Und ich erinnere mich in diesem Zusammenhang immer an einen zutiefst philosphischen Satz des österreichischen Kabarettisten Werner Schneyder: "Es ist alles Scheisse, aber es gibt nichts Besseres !"

Pianoman

   
@ Pianoman

Ihre Beiträge sind wirklich angenehm und gut lesbar verfasst. Danke dafür.
Wie Sie richtig beschreiben, besteht die latente Gefahr, dass ökonomische Interessen die Überhand gewinnen. So hat nicht nur jede Fraktion einen unerbittlichen Interessenskampf und Wettbewerb untereinander, sondern steht auch im Wettbewerb mit den unterschiedlichsten Ideologien, die aber möglicherweise auch, da gebe ich Ihnen recht, ebenfalls überwiegend ökonomisch ausgerichtet sind.

Der Vollständigkeit halber sollten Sie allerdings auch Betrügereien und Manipulationen in der Gesamtmedizin ansprechen, die hier sehr gut deutlich gemacht sind: http://de.wikipedia.org/wiki/Betrug_und_F%C3%A4lschung_in_der_Wissenschaft

Dort sind alle Wissenschaftsbereiche exemplarisch aufgeführt und alleine im Bereich Medizin sind dort 13, z.T. schwerwiegende Fälle aufgeführt. Sicherlich wird es mehr geben.

In "Die Zeit" wurde 1997 ein Artikel zu diesem Thema verfasst, woraus ich etwas zitieren möchte:

Zitat: Der Fall Herrmann zeigt allerdings, wie schwach die Mechanismen der Selbstkontrolle bei der wissenschaftlichen Wahrheitsfindung sind. Obwohl man bei der DFG meint, die fragliche Arbeit sei so gefälscht, daß das "jeder bessere Postdoc sieht", durchlief der Aufsatz von Herrmann, Kiehntopf und Brach vor der Veröffentlichung das übliche Review-Verfahren der Gutachter. "Und das sind ausgesprochene Experten, sie gehören zu den strengsten Gutachtern und bemerkten nichts", gibt der Freiburger Krebsforscher Roland Mertelsmann zu bedenken.

Doch trennt sich nicht im Laufe der Zeit von ganz alleine die wissenschaftliche Spreu vom Weizen? Einfach dadurch, daß falsche Ergebnisse nicht reproduziert und somit schlicht vergessen werden? Ganz so einfach ist es nicht, wie Erfahrungen aus den USA zeigen. Dort gab 1988 erstmals der Forscher Steven Burning eine Fälschung öffentlich zu und beschämte damit eine ganze Forschungsrichtung. Denn Burning hatte angeblich eine Droge für hyperaktive Kinder getestet und damit viel Anklang gefunden. Seine Publikation gehörte zu den meistzitierten Arbeiten auf diesem Gebiet, Therapievorschläge wurden entworfen, die auf seiner Arbeit basierten aber niemand machte sich die Mühe, Burnings falsche Experimente zu wiederholen.

"Dazu fehlt in vielen Fällen die Zeit und meist auch das Geld", sagt die amerikanische Fälschungsforscherin Marcel LaFollette, die am Center for International Science & Technology Policy an der George Washington University in Washington solche Fälle untersucht. Vor allem in der biomedizinischen Forschung, in der ein hoher Konkurrenzdruck herrscht, ist die Verführung groß, Daten auf ein gewünschtes Resultat hinzutrimmen. Dabei kann es sogar sein, daß die Ergebnisse richtig sind - obwohl die Daten, auf denen sie beruhen, frei erfunden waren.

"Betrug in der Forschung hat es immer gegeben und wird es immer geben", urteilt der Krebsforscher Roland Mertelsmann, der die internationale Szene kennt. Selbst Laborbücher könnten gefälscht werden - in diesem Falle dürften es auch die Kommissionen im Falle Herrmann schwer haben, je die Wahrheit zu finden. Immerhin haben die Vorgänge in Berlin das Dilemma von wissenschaftlicher Wahrheit und Fälschung nun auch in Deutschland ins öffentliche Bewußtsein gerückt. Doch wie läßt es sich lösen?"Zitatende

Einige Passagen stimmen sehr nachdenklich, zumal immer mehr Großkonzerne Einfluss auf die Politik nehmen. Sicherlich nicht immer zum Nutzen der breiten Masse. Der Staat als Regulierungsbehörde tut sich hier auch zunehmlich schwerer, da die Mittel zur Kontrolle sehr begrenzt sind. Es kann und darf m.E. nicht sein, dass Menschen nur noch den ökonomischen Interessen dienlich sind. Das schadet der Allgemeinheit mehr, als dass es ihr nützt. Ich denke, da sind wir absolut einer Meinung.

Millionen Menschen sterben jährlich in der "zivilisierten" Welt an den unterschiedlichsten Erkrankungen, die möglicherweise nicht sein müssten. Ich würde es als unerträglich erachten, wenn dabei ein großer Teil davon eben diesen ökonomischen Interessen geopfert werden würden. Und da spielt es absolut keine Rolle wer dadurch Verbrechen an andere Menschen begeht.

Fortsetzung:
[reason]Zitate als solche gekennzeichnet[/reason]
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« Zuletzt geändert: 07. November 2007 um 17:17 von Forum Admin »  
 

 
Besserwisser
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Beiträge: 213

Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #27 - 07. November 2007 um 16:12
 
Fortsetzung:


Sicherlich hat jede Form der Wissenschaft ihre Grenzen. Und diese Grenzen sind die Menschen an sich. Was nützt die beste Wissenschaft, wenn das Wissen weder genutzt oder richtig eingesetzt wird. Der Faktor Mensch entscheidet immer über Vertrauen, oder
Misstrauen und Ablehnung. Und sind wir mal ehrlich. Viele Errungenschaften haben dem Mensch und unserem Planeten mehr geschadet als geholfen. Und im Vordergrund jeder Errungenschaft stand und steht immer Macht, Einfluss und Geld. Der einzelne Mensch ist und wird immer letztlich das Mittel zum Zweck sein. In diesem Sinne vielen Dank für Ihren Beitrag.


Viele Grüsse vom Besserwisser
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Pjotr
Ex-Mitglied





Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #28 - 07. November 2007 um 17:59
 
Hema schrieb am 07. November 2007 um 11:41:
Auf die Meinung der Community zielt man gar nicht ab (weil man ja eh WEISS, dass es nicht funktioniert). Es geht nur um den Kunden, den Käufer im großen Markt Selbstmedikation und um die Nachfrage der Methoden und Mittel als "mündiger Patient".


Ich bin mir gar nicht so sicher, ob die Beteiligten das wirklich bewusst einsetzen. Sie betrügen eher durch nicht hinhören, weglassen. Gerade Homöopathen (als Beispiel) sind da manchmal richtige Meister. Wobei ich das Betrügen sogar relativieren möchte; Betrug setzt ja wissentlich falsche Aussagen voraus.

Und hier noch ein allgemeiner Beitrag zum Thema:

Man kann heute bei vielen ein ganz großes Missverständnis beobachten bei dem, was sie unter Wissenschaft verstehen. Es wird oft keine Unterscheidung mehr getroffen zwischen etwas, was logisch klingt (und ev. auch ist) und der Realität. Man verwechselt Logik (bzw. das, was einem als "logisch" erscheint") gern mit Wissenschaft und vergisst die Grundlage der Wissenschaft, nämlich das *neutrale* Beobachten der Natur.

Glaubenssysteme sind auch weitestgehend logisch (Zeus schleudert Blitze, weil er sich ärgert).

Die Methode der Wissenschaft ist nun mal das beste Mittel, das wir kennen, die Realität möglichst treffend zu beschreiben, aus unseren subjektiven, oft sehr selektiven Wahrnehmungen etwas zu abstrahieren, was nicht nur für uns, sondern auch andere gilt und damit die Welt berechenbarer macht.

Gerade z.B. Homöopathen haben das nie begriffen. Sie versuchen, ihr zweifelsohne z.T. logisches System mit der Realität kompatibel zu machen, indem sie immer dort wegsehen, wo es nicht funktioniert und dort hinsehen, wo es einen Erfolg zu geben scheint. Das halten sie dann für Wissenschaft: Die Realität hat sich gefälligst ihren Überzeugungen anzupassen. Sagt die Wissenschaft etwas, was kompatibel erscheint, wird es gelobt, im anderen Fall der wissenschaftlichen Methode die Fähigkeit abgesprochen, relevant zu sein.

Und so machen es alle Quacksalber: Man bedient sich des semantischen Fundus der Wissenschaft ("Tachyonen"), glaubt womöglich noch selber dran und missbraucht so unser wertvollstes Instrument, das wir haben zum Preis der großen Beliebigkeit und kaum mehr einer weiß, wo ihm der Kopf steht, weil ja alles so wissenschaftlich klingt.

Und richtig gute Marketingstrategen nutzen dann noch ein Weiteres Instrument, für welches unser Geist sehr anfällig ist: Das Gerücht und unsere Neigung, in Analogien zu denken.

Beispiel Benveniste: Das behauptete Wassergedächtnis konnte nicht nachgewiesen werden, viel schlimmer, er hat betrogen (Ob bewussst oder nicht: es war falsch). Nichts an alldem stimmt, und wurde spätestens 1997 deutlich widerlegt. Trotzdem redet inzwischen jeder Homöopath oder sonstiger Esoteriker vom "Wassergedächtnis". Man nimmt es nicht als das, was es war -ein netter Hirnfurz- und ignoriert die Falsifizierung,  sondern wiederholt endlos in Medien das Mantra der dummen Wissenschaft (es gibt mehr zwischen Himmel und ...)

Aber der Begriff "Wassergedächtnis" ist damit in der Welt, und wird benutzt.

Der Mensch hat eine unstillbare Affinität zu einfachen Analogien. Evolutionstechnisch durchaus zu erklären, unser Hirn dient ja weniger der Wahrheitsfindung, denn dem Überleben. Im Zuge der Aufklärung sind ein paar Leute dahinter gekommen,  wie dumm dieses System ist, will man in größerem Maße mit der Realität interagieren. Das war dann die Wissenschaft, dank der wir heute im Luxus leben und in Foren schreiben können. Selbst Leute, welche diese in ihrem postmodernen Relativismus zu tiefst verachten.

Pjotr
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Pjotr
Ex-Mitglied





Re: Wie glaubwürdig ist die Wissenschaft ?
Antwort #29 - 07. November 2007 um 18:29
 
Besserwisser schrieb am 07. November 2007 um 16:12:
Der einzelne Mensch ist und wird immer letztlich das Mittel zum Zweck sein.


Der einzelne Mensch ist immer Mittel und Zweck für andere Menschen. Die Lehrerin meines Sohnes ist z.B. gerade Mittel, dass mein Sohn was lernt, und er wird voraussichtlich irgendwann den Zweck erfüllen, einer Firma zu mehr Umsatz zu verhelfen. Und die Firma wird dann sein Mittel sein, sich ein möglichst angenehmes Leben zu machen.

Ich verstehe tatsächlich nicht, was Sie wollen. Sie dürfen ja gern am Wissenschaftsbetrieb rummäckeln, sie stoßen damit hier auf offene Ohren. Aber anscheinend geht es ihnen um eine generelle Kritik an der Wissenschaft an sich. Auch das ist sicher legitim. Aber das bleibt dann solange hohles Geschwätz, solange Sie nicht eine Alternative präsentieren.

Sie verfahren permanent nach der Methode, dass Fehler, Betrug usw. die dahinter stehende Idee grundsätzlich ad absurdum führen. Das ist letztlich ideologisches Denken par excellence, die Grundlage aller totalitären Systeme. Das Pferd vom Schwanz her aufzäumen. Platon würde ihnen gefallen.

Ich vermute, Sie neigen sehr der anthroposophischen Sichtweise zu.

Werden Sie konkret oder schweigen Sie. Soviel Ehre sollte sein.

Pjotr


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