ÖKO-TEST Online-Forum KINDER/FAMILIE KOSMETIK/MODE GESUNDHEIT/MEDIKAMENTE BAUEN/WOHNEN ERNÄHRUNG GELD/VERSICHERUNG FREIZEIT/TECHNIK SONSTIGES
25. April 2017 um 22:33
linkwww.oekotest.de   linkemedien.oekotest.de   linkImpressum  
Willkommen Gast. Bitte Einloggen oder Registrieren
News:
  ÜbersichtHilfeSuchenEinloggenRegistrieren  
 
Bitte beachten: Beiträge in diesem Forum dienen ausschließlich Ihrer Information und entsprechen nicht der Meinung von ÖKO-TEST. Die auf diesen Seiten zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden. Bei gesundheitlichen Beschwerden fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Bei Erkrankungen von Tieren konsultieren Sie einen Tierarzt. Nehmen Sie niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker ein!
  › Diskussionen: Fachspezifisch
  › Heilpraktiker: Diskussion
  › Homöopathie und Physik
Seitenindex umschalten Seiten: 1
Homöopathie und Physik (Gelesen: 8159 mal)
Moderation
Global Moderator

Offline



Beiträge: 351

Homöopathie und Physik
22. Januar 2008 um 15:02
 
auf Anfrage eines Users zum Thema "Was ist in H. enthalten?"

...
Das erklärungsfordernde Spannungsverhältnis zur Physik (www.skeptiker.de/lambeck/physik.html) ergibt sich durch die Herstellung der Homöopathika, die im HAB festgelegt ist. Es wird zunächst z. B. durch Auspressen einer Belladonnapflanze der Saft als "Urtinktur" hergestellt. Hiervon gibt man ein Teil in ein genügend großes Gefäß und darauf 9 Teile Lösungsmittel (hochprozentigen Alkohol). Diese 1:10 Mischung nennt man nach dem lateinischen Wort für zehn D. Diese D1 muss nun "mindestens 10 Mal kräftig geschüttelt" werden. Davon nimmt man ein Teil ab, gibt dieses in ein neues Gefäß, darauf 9 Teile Lösungsmittel, schüttelt, erhält so D2 usw. Analog kann man in jeder Stufe 1:100 verdünnen (C-Reihe) oder 1:50000 (Q-Reihe).

Das physikalische Problem liegt in der atomistischen Struktur der Materie. Nach heutiger Lehre beträgt die Avogadro-Zahl (etwa die Zahl der Wassermoleküle in einem der homöopathischen Fläschchen) 6.02214199 * 1023. Daher ist in der D-Reihe bei D23 nur noch ein Molekül vorhanden, bei D30 nichts mehr. D30 entspricht der Verdünnung von einem Tropfen Belladonna in einer Wassermenge, deren Masse gleich der der gesamten Erde ist. In keinem Restaurant wird ein Bierglas so perfekt von den Resten des vorigen Getränks und des vorigen Trinkers befreit wie ein Fläschchen Belladonna D30 von Belladonna. Kurz: Wo Belladonna D30 draufsteht, ist kein Belladonna drin.

Daher behaupten die Homöopathen, es käme nicht auf die materielle Anwesenheit des Belladonna an, sondern durch die Potenzierung (stufenweises Verdünnen mit dazwischengeschaltetem Schütteln) werde eine neue Qualität geschaffen, die Hahnemann in der Sprache seiner Zeit als "geistartige Kraft" bezeichnet. Heutige Autoren sprechen von "Wesen", "Urprinzip", "Lebensenergie", "Information" oder "Schwingung". Alle derartigen Erscheinungen als Ergebnis des Herstellungsvorgangs sind der heutigen Physik unbekannt. Vielfach wird auch behauptet, Wasser habe ein "Gedächtnis". Erstens hat Wasser nach dem heutigen Kenntnisstand kein Gedächtnis und zweitens würde ein Gedächtnis nicht für Homöopathie sprechen, sondern dagegen. Das Wasser müsste sich dann an alle Stoffe erinnern, mit denen es in der Vergangenheit in Berührung gekommen war. Insbesondere kann hierdurch nicht erklärt werden, weshalb sich das Wasser nur an die Urtinktur erinnern sollte, nicht jedoch an die Nebenbestandteile des Wassers wie Kalk oder Eisen, die mitgeschüttelt werden und spätestens ab D8 eine höhere Konzentration aufweisen als die Urtinktur. Hinsichtlich der Wirkung der Homöopathie lassen sich drei Bereiche unterscheiden:

Im Niederpotenzbereich bis etwa D8 ergeben sich für mich als Physiker keine Probleme. Dass Belladonna D4 und Lachesis D6 medizinisch wirken, ist nicht zu bezweifeln. Dass sie statt durch einfache Verdünnung durch Potenzierung hergestellt wurden, kann aus meiner Sicht zwar nichts nützen, aber auch nichts schaden. Ebensowenig habe ich Probleme mit der Anwendung der Hochpotenzen, wenn diese als Placebowirkung durchgeführt wird. Jede beliebige Maßnahme wirkt heilend, wenn Arzt und Patient daran glauben und die Krankheit psychisch bedingt ist. Die Placebo-Homöopathie ist eine preisgünstige, nebenwirkungsarme Therapie, die offenbar einer großen Zahl von Patienten entgegenkommt. Sie ist akzeptabel, wenn der Arzt die Grenzen seiner Methode kennt und zur schulmedizinischen Therapie übergeht, wenn dies erforderlich ist. Die Schulmedizin hat zu lernen, dass die Zahl der psychosomatisch bedingten Krankheitsfälle größer ist als sie bisher annahm.

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn die Homöopathen auf ihrer Aussage beharren, dass die Hochpotenzen tatsächlich eine medizinische Wirkung hätten, die für die Urtinktur charakteristisch ist. Somit lässt sich die physikalische Frage an die Homöopathie auf die Entscheidung zurückführen: Sind zwei Hochpotenzen wie etwa Belladonna D30 und Lachesis C200 hinsichtlich ihrer medizinischen Wirkung gleich oder nicht gleich?

Jeder der 10.000 Ärzte wird sagen: "Dass diese beiden Medikamente wirken, und zwar völlig verschieden wirken, das sehe ich jeden Tag in meiner Praxis." Nach dieser Entscheidung, dass die beiden Medikamente nicht gleich sind, gibt es zwei gute Nachrichten: Erstens: Die 10.000 Ärzte haben recht. Zweitens: Die Bundeswissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn kann durch Wissenschaftseinrichtungen wie Max-Planck-Gesellschaft, Deutsche Forschungsgemeinschaft oder Helmholtz -Gemeinschaft, die jeweils etwa 10000 Wissenschaftler umfassen, den Unterschied der beiden Substanzen feststellen lassen und dadurch mehrere Nobelpreise und große Wirtschaftserfolge nach Deutschland holen. Die medizinische Wirkung einer materiell abwesenden Substanz auf den Menschen bewirkt auch eine Revolution der Philosophie. Für Philosophie gibt es zwar keinen Nobelpreis, aber der Entdecker stünde auf einer Stufe mit Descartes, Kant und Schopenhauer.

Oder die Entscheidung lautet: Die beiden Substanzen sind gleich. Dann gibt es eine schlechte Nachricht und eine gute: Die schlechte: Die 10.000 Ärzte haben sich geirrt. Die gute: Man braucht die Substanzen gar nicht mehr einzeln herzustellen. Man füllt einfach die Fläschchen alle gemeinsam aus einem großen Fass mit Lösungsmittel und klebt je nach Verordnung des Arztes das entsprechende Etikett auf. Dies ermöglicht große Einsparungen im Gesundheitswesen.

...

Quelle: http://www.laborjournal.de/editorials/115.html
Zum Seitenanfang
 

*** Forum Moderator
=>  www.oekotest.de
Homepage  

 
Seitenindex umschalten Seiten: 1