Zitat:Sind unsere Böden an Nährstoffen "verarmt"?
Ergebnisse einer bundesweiten Expertenbefragung
Immer wieder hört und liest man in den Medien, die Qualität unserer Böden und Lebensmittel lasse nach. Und es geht die Mär, nur der tägliche Griff zur Vitamin- und Mineralstoffpille hielte uns gesund. Die moderne, intensive Landwirtschaft, der Anbau in Treibhäusern und der durch Umweltschmutz bedingte saure Regen seien Schuld daran, daß Böden und Pflanzen nicht mehr so nährstoffreich seien wie einst. Ob dem wirklich so ist, wollte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) wissen. Eine umfassende Literaturrecherche und bundesweite Befragung von Experten aus 60 Forschungsinstituten brachten das Ergebnis: Bisher vorliegende Untersuchungen sprechen insgesamt für eine Ablehnung der Hypothese. Im Gegenteil, im Vergleich zu früher wird der Nährstoffgehalt der Böden von den Experten sogar höher eingeschätzt. Den Nährstoffgehalt pflanzlicher Lebensmittel beurteilen sie als unverändert.
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Der Gehalt an Vitaminen ,Mineralstoffen und Spurenelementen in pflanzlichen Lebensmitteln nehme ab, behaupten Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln und Vertreter der sog. orthomolekularen Medizin. "Dabei stützen sie sich auf den Vergleich von Nährstoffdaten aus "veralteten" und neuen Tabellenwerken", erklärt Prof. Dr. Helmut Heseker, Universität Paderborn, der für die DGE recherchiert hat. Doch auch in der Analytik ist die Zeit nicht stehen geblieben. Feiner, spezifischer und genauer sind heute die Untersuchungsmethoden. Dies führt zu signifikant anderen Ergebnissen als früher. So ist es zum Beispiel heute möglich, das Pro – Vitamin Carotin aufzuschließen und seine einzelnen, verschiedenen Carotinoide zu analysieren. Wegen seiner Bedeutung beziehen sich aktuelle Tabellen darum nur noch auf den Gehalt an Beta–Carotin statt auf Gesamt–Carotin, wie in älteren Tabellen. Der Beta-Carotingehalt eines Lebensmittels ist aber naturgemäß deutlich niedriger als sein Gesamt-Carotingehalt.
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Tatsächlich sind unsere Böden arm an Jod und Fluorid. Das hängt aber nicht mit der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Böden oder mit dem sauren Regen zusammen. Ursache dafür sind die Auswaschungen im Laufe der erdgeschichtlichen Entwicklung. Analogieschlüsse zu anderen Mineralstoffen und Spurenelementen sind spekulativ und falsch. Spurenelementmangel beim Menschen tritt dort auf, wo die Böden von Natur aus spurenelementarm sind (z. B. Zinkmangel im Iran) und die Hauptquellen eine schlechte Bioverfügbarkeit aufweisen (z. B. phytinsäurereiches Fladenbrot).
Untersuchungen von Kornproben aus den Jahren 1946 – 1995 haben z. B. gezeigt, dass der Selengehalt des Getreides sich in den letzten 50 Jahren nicht verändert hat. "Auch eine tendentielle Verarmung der Böden an Pflanzennährstoffen in intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen ist auf Grund vorliegender Bodenuntersuchungen nicht erkennbar", resümiert Prof. Heseker. Diese hätte für den Landwirt auch unweigerlich niedrigere Erträge, sichtbare Qualitätsmängel (z. B. blaßgrüne Farbe bei Blattgemüse durch Magnesiummangel) und Verdiensteinbußen zur Folge.
Von den Experten wird der Nährstoffgehalt der Böden im Vergleich zu früher heute sogar als besser eingeschätzt. Neben der auf Ausgleich des Nährstoffentzugs ausgerichteten Düngung gelangen Spurenelemente z. B. Zink besonders durch die Ausbringung der Gülle in die Böden. Nährstoffüberschüsse durch übertriebenen Mineraldüngereinsatz oder intensive, flächenungebundene Tierhaltung und dem damit verbundenen Wirtschaftsdüngeranfall wurden inzwischen mit Erfolg durch entsprechende gesetzliche Regelungen (z. B. Düngeverordnung), termingerechte Düngung, Bodenuntersuchungen und ökonomischen Zwang reduziert.
Für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) steht fest: Es gibt keinen begründeten Anlaß, den Nährstoffreichtum der in Deutschland angebotenen Lebensmittel in Frage zu stellen und vorsorglich zu Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zu greifen. Das reichhaltige Angebot an frischen, qualitativ guten Lebensmitteln übers ganze Jahr – egal aus welchem Anbau – macht es jedem möglich, sich gesund und vollwertig zu ernähren.
Quelle: *>
Deutsche Gesellschaft für Ernährung