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Ratgeber Essen, Trinken und Genießen 8: 2008Rubrik: Magazin
Kein trübes WässerchenKraneberger, wie das Nass aus dem Hahn auch genannt wird, ist preiswert und außerdem jederzeit verfügbar. An der Qualität des Wassers gibt es nicht allzu viel zu bemängeln.
"Ohne Water geit dat nich." Die plattdeutsche Weisheit, mit der auch manche Wasserwerke im hohen Norden für ihre Zwecke Werbung machen, ist so plakativ wie wahr: Wasser ist lebensnotwendig. Denn unser Körper besteht zu 50 bis 70 Prozent aus Wasser. Bei Säuglingen ist der Anteil mit bis zu 80 Prozent sogar noch höher. Wasser ist Löse- und Transportmittel für Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente. Toben wir uns sportlich aus, kühlt uns das ausgeschwitzte Wasser durch die Verdunstung auf der Körperoberfläche ab.
Damit Flüssigkeitsverluste ausgeglichen werden und der Körper richtig arbeiten kann, benötigt ein Erwachsener zwischen 1,5 bis zwei Liter Wasser täglich. Wichtig ist deshalb, ausreichend zu trinken, am besten Wasser, Saftschorlen und Früchte- bzw. Kräutertees. Denn während wir aufs Essen theoretisch tagelang verzichten könnten, reagiert unser Organismus schon auf geringe Wasserverluste mit Unwohlsein. Beträgt das Defizit mehr als 0,5 Prozent des Körpergewichts, das entspricht bei einem Erwachsenen ungefähr 300 bis 400 Milliliter Körperflüssigkeit, meldet der Körper erst einmal: "Durst." Betragen die Verluste zwei Prozent, sinkt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit um etwa ein Fünftel. Ab etwa einem Defizit von drei bis fünf Prozent macht sich Mundtrockenheit bemerkbar und der Körper baut kräftemäßig ab. Ab zehn Prozent Flüssigkeitsdefizit kommt es zu psychischen Störungen wie Desorientierung und Verwirrtheit, ein Minus von 15 Prozent kann zum Tode führen.
Trinken ist also wichtig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Trinkwasser aus dem Kran für ein gesundes Lebensmittel, das für den täglichen Verzehr geeignet ist. Selbst für die Jüngsten wird es empfohlen. "Das ideale Getränk für Kinder ist Wasser, als Trinkwasser aus der Leitung oder als Mineralwasser", rät das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Wasser aus dem Kran sei ein hochwertiges Lebensmittel, da es von den Wasserwerken streng überwacht werde. Da ist was dran. Ob "Gänsewein", "Rohrperle", "Leitungsheimer", "Hahnenburger" oder eben "Kraneberger", wie die Bezeichnungen für Leitungswasser auch lauten, das kühle Nass wird aufwendig kontrolliert.
Schadstoffsammler WasserVerantwortlich für die Qualität des Trinkwassers sind bundesweit etwa 6.600 Wasserversorgungsunternehmen genannt. Trinkwasser wird bei uns zu 64 Prozent aus Grundwasser gewonnen und zu 27 Prozent aus Oberflächenwasser wie Flüssen. Der Rest kommt aus unterirdischen Quellen.
Grundwasser entsteht, wenn Regenwasser im Boden versickert. Da es ein gutes Lösungsmittel ist, sammelt es auf dem Weg durch die Gesteinsschichten diverse natürliche Mineralstoffe ein, sodass die Beschaffenheit je nach Bundesgebiet sehr verschieden ist. In Gebieten mit Kalk-, Gips- oder Dolomitschichten, aus denen viel Calcium- und Magnesium herausgelöst werden, wie z.B. auf der Schwäbischen Alb, ist das Wasser hart; in Gegenden mit Basalt, Sandstein oder Granit ist das Wasser weicher. Auf dem Weg in die Tiefe sammelt das Wasser aber auch unerwünschte Stoffe wie Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Nitrat ein, sodass es, bevor es in die Wasserleitung gelangt, erst von den Wasserwerken aufbereitet werden muss.
Wie das Trinkwasser beschaffen sein muss, regelt die Trinkwasser-Verordnung. Sie schreibt vor, dass "Wasser für den menschlichen Gebrauch frei von Krankheitserregern, genusstauglich und rein sein muss". In dem Regelwerk aus dem Jahr 2001, das aber immer wieder ergänzt worden ist, werden die mikrobiologischen und chemischen Anforderungen an das kühle Nass beschrieben. Dort wird unter anderem aufgeführt, wie verschmutztes Wasser behandelt werden darf. Grobe Verunreinigungen müssen ausgesiebt und -gefiltert werden. Mit Aktivkohlefilter werden viele organische Stoffe, darunter Pestizide und Chlorkohlenwasserstoffe, entzogen. Bei sehr hohem Gehalt an Kalk muss das Werk das Wasser enthärten, da sich sonst zu viel Kalkstein in den Leitungen und Wasserhähnen bildet. Ein rundes Drittel des Trinkwassers wird desinfiziert, um es keimarm zu halten. Im Einsatz sind dabei überwiegend Chlor und Chlordioxid, seltener Ultraschall und Ozon.
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