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Artikel erschien in: ÖKO-TEST Spezial alternative Heilmethoden (Erscheinungstermin: 16. März 2009)
Bioresonanztherapie Von guten und bösen Schwingungen
Ein Gerät und viele Versprechungen: Bioresonanz soll gegen alle organischen Krankheiten helfen - jedenfalls der Theorie nach.
Idee und Herkunft: Bioresonanz hat nichts zu tun mit Biofeedback. Letzteres ist anerkannt, während die Bioresonanztherapie als dubios gilt. Sie wird manchmal auch Moratherapie genannt, was auf den Namen der beiden Erfinder hinweist. Das ist einerseits der deutsche Arzt und Scientology-Anhänger Dr. Franz Morell und der Ingenieur Erich Rasche. Morell glaubte, dass der Körper ständig elektromagnetische Schwingungen aussendet.
Seine Theorie: Ist der Körper gesund, so erzeugt er harmonische Schwingungen. Ist er dagegen krank, verändert sich das Schwingungsmuster und wird unharmonisch. Morell und Rasche brachten nun 1977 ihr Mora-Gerät auf den Markt, das die krankmachenden Schwingungen empfangen und in gesundmachende verwandeln soll. Diese umgewandelten Schwingungen gibt das Gerät angeblich dem Körper zurück, was zur Heilung führen soll.
Heute ist die Therapie eher als Biophysikalische Informationstherapie (BIT) bekannt. Sie bedient sich auch neuerer Geräte wie des Multicom-, Bicom-Geräts, Audiocolor- oder des Vergaselect-Geräts. Auch die Theorie klingt aufwendiger und ist gespickt mit quantenphysikalischem Vokabular. Die Grundidee aber ist nach wie vor, dass Schwingungen Informationen enhalten, die das Körpergewebe beeinflussen. So können die Geräte angeblich Heilimpulse setzen, Organe stärken und das Immunsystem stützen.
Methoden und Mittel: Ein typisches Bioresonanzgerät passt bequem auf einen Beistelltisch, ist an der Vorderseite mit einem Display, diversen Knöpfchen und Anschlussbuchsen versehen. Die Patientin wird mit dem Gerät über mindestens zwei Kabel verbunden. Die Elektroden hält sie in den Händen, weitere Elektroden können Kontakt zu den Füßen oder auch zum Kopf haben. So werden angeblich die Schwingungen vom kranken Gewebe abgegriffen, im Gerät moduliert und als Heilimpuls zurückgeleitet. Neuere Geräte sollen sogar gesunde Schwingungen von Edelsteinen, Farben, Metallen oder Spurenelementen aufnehmen und in den Körper leiten. Die Patienten bleiben für etwa eine Viertelstunde an das Gerät angeschlossen.
Anwendungsgebiet: Der Theorie nach hilft die Bioresonanztherapie bei allen organischen Krankheiten. Da das Gerät so schlau ist, die unguten Schwingungen und die Krankheiten selbst zu erkennen, ist eine Diagnose angeblich oft nicht nötig. Besonders effektiv soll die Bioresonanz bei Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein. Dazu ist allerdings ein Anfangsverdacht nötig. Denn das Gerät entdeckt die Nahrungsmittelallergie, wenn der Patient verschiedene Allergene berührt und gleichzeitig mit dem Bioresonanzgerät in Kontakt ist. Leidet er zum Beispiel unter einer Nussallergie, dann gilt die Therapie als einfach. Das Gerät nimmt die negativen Informationen über die Nüsse auf und übermittelt dem geplagten Allergiker nun positive Informationen. Auch die Ursachen von unklaren Hautkrankheiten, Schmerzen, Magen-Darm-Krankheiten oder Schlafstörungen soll das Gerät diagnostizieren und heilen können.
Von einigen Geräten wird behauptet, sie könnten Umweltgifte aus dem Körper treiben, Abwehrkräfte stärken, sogar innere Erkrankungen wie Asthma, Magen-Darm-Geschwüre, rheumatische Erkrankungen behandeln und Beziehungsprobleme lösen.
Wirksamkeitsnachweise: Keine unabhängige klinische Untersuchung hat bisher die Wirkung der Bioresonanztherapie bestätigt. Im Gegenteil. 1993 widerlegten Schweizer Forscher die Wirksamkeit. Sie behandelten 32 Kinder, die an Neurodermitis litten, sowohl konventionell als auch zusätzlich mit Bioresonanz. 16 Kinder wurden an ein funktionierendes Gerät angeschlossen, 16 an eine Attrappe. Das Ergebnis: Bei beiden Gruppen besserten sich Juckreiz und Hautverletzungen in gleichem Maße. Wissenschaftler halten das biophysikalische Konzept für verworren: Selbst wenn die verschiedenen Geräte in der Lage wären, die minimalen elektromagnetischen Signale aus biochemischen Prozessen im Körper wahrzunehmen, so ist es naturwissenschaftlich nicht nachvollziehbar, wie Geräte zwischen guten und schlechten Schwingungen unterscheiden können. Noch weniger leuchtet es ein, dass sie unharmonische Schwingungen herausfiltern und heilsame dem Körper wieder zurückführen. Die Effekte, von denen zahlreiche Patientinnen und Patienten berichten, sind durch andere Mechanismen gut erklärbar - etwa durch den guten Kontakt zwischen Behandelnden und Patienten.
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