Den Presseclub sah ich nicht, ich muss mal schauen, ob der in der Mediathek ist.
Das Buch ist lang, mit vielen Quellenangaben.
"Biologistische Ansätze"? Ja nu...
Ich nehme einmal exemplarisch die Intelligenz. Sarrazin zur Intelligenz (da ist ein ganzes Kapitel, also nur wenige Sätze hier möglich):
"Entscheidend ist letztlich nicht das Ergebnis einzelner Intelligenztests, sondern die Erkenntnis, dass sich die geistigen Fähigkeiten von Menschen wesentlich unterscheiden und diese Unterschiedezum Teil erblich sind. "
"Der aktuelle Forschungsstand ist also der, dass jene, die die Erblichkeit von Intelligenz besonders betonen, deren Anteil mit 60 bis 80 Prozent ansetzen, während jene, die besonders auf Umwelteinflüsse abstellen, auf einen Erbanteil von 40 Prozent bis 60 Prozent kommen. Seriöse Zweifel an diesem Forschungsstand gibt es nicht.83
Für den Zusammenhang, um den es hier geht, ist es egal, ob die Erblichkeit von Intelligenz bei 40, 60 oder 80 Prozent liegt. Denn ganz gleich, wie die Intelligenz zutande kommt: Bei höherer relativer Fruchtbarkeit der weniger Intelligenten sinkt die durchschnittliche Intelligenz der Grundgesamtheit."
"Fassen wir zusammen: Unsere Gesellschaft schrumpft, sie wird älter, heterogener und gemessen an Bildungsindikatoren weniger leistungsfähig. Dass in Deutschland überdurchschnittlich viele Kinder in sogenannten bildungsfernen Schichten mit häufig unterdurchschnittlicher Intelligenz aufwachsen, lässt uns schon aus rein demografischen Gründen durchshnittlich dümmer werden. Der Anteil der Menschen, der aufgrund mangelhafter Bildung sowie intellektueller Mängel nur schwer in das moderne Arbeitsleben integriert werden kann, nimmt strukturell zu."
"Es führt zu nichts, im Zusammenhang mit der Pisa-Diskussion Umwelt und Erblichkeit gegeneinander in Stellung zu bringen. Bei einer Erbkomponente von 80 Prozent und einer Umweltkomponente von 20 Prozent könnten günstige Umweltbedingungen den gemessenen IQ um sieben Punkte erhöhen, wenn sich die Umweltbedingungen um eine Standardabweichung verbessern. Beträgt die Erbkoponente 50 Prozent, so würde eine Verbesserung der Umweltbedingungen um eine Standardabweichung den IQ um 11 Punkte erhöhen.39 In die Umweltbedingungen fließen aber viele Komponenten ein, nämlich Elternhaus, soziale Herkunft und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Die Schule ist nur ein Teil davon, und es ist deshalb unwahrscheinlich, dass sie die gemessene Intelligenz um mehr als fünf Punkte beeinflussen kann. Die beste Schule macht ein dummes Knd nicht klug, und die schlechteste Schule macht ein kluges Kind nicht dumm. Eine gute Schule kann aber entscheidend dazu beitragen, das vorhandene Maß an Intelligenz in vollem Umfang einzubringen und in tatsächliche kognitive Leistung umzusetzen."
"Andererseits gibt es immer wieder Menschen, die zeigen, dass man auch unter den ungünstigsten Voraussetzungen seinen Weg machen kann. Zu diesen zählt der schwarze amerikanische Bildungsökonom Roland Fryer (Jahrgang 1977), der in bedrückenden Verhältnissen bei seiner mit Crack dealenden Großmutter aufwuchs, da seine Mutter die Familie verlassen hatte und der Vater wegen Vergwaltigung im Gefängnis saß. Er schaffte es mit einem Sport-stipendium an die Universität, studierte in Rekordzeit, promovierte mit 25 Jahren und war mit 30 Jahren Harvard-Professor.
Fryer hat sich in seiner Forschung auf die Leistungsunterschiede zwischen weißen und schwarzen Schülern und Studenten konzentriert, die von ihm gar nicht bestritten werden.72 Er ist skeptisch gegenüber einem Quotensystem, weil es zur Faulheit erziehe, und erklärt Leistungsdefizite der Schwarzen teilweise aus peer group pressure: Gute Leistungen werden mit »weißem Verhalten« gleichgesetzt, was die potentiell guten schwarzen Schüler unter Gruppendruck setzt. Fryer arbeitet unter anderem an Anreizpogrammen für schwarze Schüler, bei denen gute Schulleistungen mit Geld belohnt werden.73 Bezeichnend für Fryer ist sein Gestaltungsoptimismus, aber auch seine Widerstandskraft. Wenn er es schaffte, warum dann nicht auch andere? Der deutsche Pisa-Beauftragte Manfred Prenzel berichtet:
»Man hat festgestellt, dass es Kinder gibt, bei denen es offenbar völlig egal ist, unter welchen Bedingungen sie aufwachsen. Sie gehenihren Weg, man weiß nicht genau, wie es kommt, dass sie eine solche Gelassenheit entwickeln und souverän mit sehr schwierigen Umständen umgehen.«74
Die wirklich Tüchtigen lassen sich offenbar auch durch ungünstige Umstände nicht abschrecken - und das ist eine durchaus trostreiche Erkenntnis."
"Der Leistungsstand von Schülern mit Migrationshintergrund Türkei korrespondiert mit dem Leistungsstand von Schülern aus anderen muslimischen Ländern, dies zeigt der internationale Vergleich der Pisa-Ergebnisse.79"
"Bildungsverläufe hängen in starkem Maße von der Familie ab, in der man aufwächst. Muslimische Migranten entstammen meist bildungsfernen Familien, die in ihren Heimatländern durchweg den Unterschichten angehörten. Insoweit ist ein Teil dessen, was in der Bildungspolitik als Integrationsproblem wahrgenommen wird, tatsächlich ein Schichtenproblem.80"
Es ist wirklich sehr umfangreich, ich hab nur einmal ein paar Sachen rausgegriffen.
Was mich ärgert, der hier z.B.:
FRsagt im Prinzip ähnliches wie Sarrazin, trotzdem wird getitelt mit "Absoluter Unsinn". Weder der Kommentator noch der Befragte scheinen das Buch gelesen zu haben.