Zitat:Chemiekalie Bisphenol A
In Babyflaschen verboten, in Kassenbons ganz legal
Mit Bisphenol A kommt jeder ständig in Berührung: Der Stoff ist in Thermopapier – etwa in manchen Kassenbons –, in DVDs und zahlreichen Kunststoffen enthalten. Sie findet sich in Beschichtungen von Konservendosen und in Mikrowellengeschirr. Zudem ist sie eine Grundlage für Epoxydharze und Polycarbonate, kann in Zahnfüllungen, Bremsflüssigkeiten oder in den Gehäusen elektrischer Geräte vorkommen. Detlef Wölfle vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin sagt, dass sich die Polycarbonate besonders für Babyfläschchen eignen, weil sie klar und bruchsicher sind. Auch in den Schilden von Schnullern wurde die Substanz verwendet. Doch es mehrte sich der Verdacht, dass Bisphenol A gesundheitsschädlich sein könnte – und inzwischen greifen viele Hersteller auf andere Materialien zurück.
Einfluss auf die geschlechtliche Entwicklung und Fortpflanzungsfähigkeit
So vielfältig die Anwendung des Stoffes, so vielfältig sind auch die Wirkungen, die BPA zugeschrieben werden, wenn es vom Körper aufgenommen wird. ,,Die Chemikalie gehört zu den endokrinen Disruptoren, das heißt, sie ahmt die Wirkungen eines Hormons nach, ist aber selbst keins“, sagt der Toxikologe Gilbert Schönfelder von der Berliner Charité. Der Forscher beschäftigt sich seit rund zehn Jahren mit der Substanz und ,,freut sich sehr“ über den Beschluss der EU. Da BPA an die Rezeptoren für Östrogen andockt, könnten nämlich die biologischen Vorgänge des Hormons im Körper gestört werden. Unter anderem können die geschlechtliche Entwicklung oder die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflusst werden, was Tierversuche gezeigt hatten.
Menschen nehmen Bisphenol A vor allem über Lebensmittel auf
In Trinkwasser kommt der Stoff praktisch nicht vor. In die Nahrung kommt er wahrscheinlich über die Innenbeschichtung von Konservendosen, oder er löst sich unter Umständen durch heißes Wasser aus Polycarbonat-Gefäßen. ,,Wir haben zu BisphenolA eine sehr große Menge an Daten vorliegen“, sagt Detlef Wölfle vom BfR. BPA sei eine Modellsubstanz für endokrine Disruptoren, mit der sich viele Fragen klären lassen. Daher gebe es viele Studien, deren Qualität und Plausibilität aber sehr unterschiedlich sei, sagt Wölfle. ,,Dann stellt sich die Frage, wie man mit so einer Substanz umgeht. Es gibt ja auch eine Vielzahl anderer Stoffe, die hormonähnlich wirken und möglicherweise ähnliche Effekte hervorrufen.“ Ob ein Verbot ausgesprochen wird oder andere Maßnahmen ergriffen werden, sei eine Entscheidung der ,,Behörden des Risikomanagements.“
Viele Studien stammen von der Industrie
Ein Argument von Kritikern wie Schönfelder ist auch die Masse an Studien, die von der Industrie selbst stammen, also nicht unabhängig sind. ,,Das liegt bei einer Massenchemikalie in der Natur der Sache“, sagt Markard vom UBA. ,,Die Industrie muss ja beweisen, dass ein Stoff ungefährlich ist.“ Doch die rund 50 Studien, die bei niedrigeren Belastungen mit BisphenolA einen Effekt gezeigt haben, stammen nicht von der Industrie. Allerdings seien bei diesen von der EFSA Mängel angemerkt worden.
http://www.welt.de/gesundheit/article11971039/In-Babyflaschen-verboten-in-Kassen...