TEST: Putenfleisch...
Neun bis elf der zwölf Bestände wurden mit Antibiotika behandelt. "Kein Einsatz von Antibiotika im Mastdurchgang", antwortete Heidemark für das Lidl-Produkt in dem Fragebogen, den wir allen Anbietern zugeschickt haben. Das schließt allerdings eine Behandlung in der Aufzuchtphase, das sind die ersten fünf Lebenswochen, nicht aus. Auch von Mutzschen Truthahn (beliefert die Lidl-Schwester Kaufland), erhielten wir eine zweideutige Auskunft: "Aus der Beurteilung der amtlichen Schlachttieruntersuchung im Herkunftsbetrieb ist ersichtlich, dass die Vorschriften über die Verwendung von Tierarzneimitteln eingehalten wurden. Die vorliegenden Informationen zur Lebensmittelkette für die betroffene Herde belegen, dass im relevanten Zeitraum vor der Schlachtung keine Behandlung durchgeführt wurde", schreibt der Mäster. Mehr erfuhren wir trotz Nachfrage nicht. Doch übersetzt bedeutet die Antwort: Die Puten wurden lediglich kurz vor der Schlachtung nicht behandelt, was nicht nur verboten, sondern auch dumm wäre, weil die Antibiotika dann im Fleisch nachweisbar wären.
Nur wenige Anbieter ließen sich in die Karten schauen. Zum Einsatz kamen in einigen Fällen Medikamente, die für Puten eigentlich nicht zugelassen sind. Es ist jedoch erlaubt, solche Mittel "umzuwidmen", was beispielsweise gemacht wird, wenn die zugelassenen Antibiotika nicht mehr helfen. In anderen Fällen war die Behandlung mit nur drei Tagen eigentlich zu kurz, um Krankheiten effektiv zu bekämpfen. Um uns ein genaueres Bild machen zu können, hatten wir die Mäster gebeten, uns eine Kopie aus dem sogenannten Bestandsbuch zur Verfügung zu stellen. Darin müssen Art und Identität der Tiere, die Mittel, die Art der Verabreichung und die verabreichte Menge der Mittel festgehalten werden. Doch so genau wollten sich nur Penny und Rewe sowie die Bio-Anbieter in die Karten bzw. Bücher schauen lassen. Die Weigerung der anderen quittieren wir mit einer Abwertung um eine weitere Note.
Antibiotikarückstände trotzdem nicht nachweisbar. Auch wenn fast alle Puten mit Antibiotika behandelt wurden, waren Reste davon im Fleisch nicht mehr nachweisbar. Die Zeiträume zwischen der Verabreichung der Mittel und der Schlachtung waren offensichtlich lang genug, damit sich die Antibiotika abbauen konnten. Insgesamt wurden zwölf unterschiedliche Wirkstoffe eingesetzt, darunter ein Parasitenmittel.
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Quelle:
ÖKO-TEST: Putenfleisch