Schau-ma-amoi schrieb am 21. Januar 2012 um 15:27:Der soziale Hintergrund ist archaisch, widerwärtig und abstoßend.
In der Tat.
Das ist seit vielen Jahren eigentlich bekannt und es wird zu wenig dagegen gemacht. Auch von der Weltgemeinschaft, die auf diese furchtbaren Zustände zu wenig hinweist und eine Änderung zu wenig anmahnt. Nicht nur in Indien, sondern in dem ganzen Raum:
Sex selective AbortionMan beachte auch den weiteren, aber anders gelagerten sozialen Sprengstoff, der durch die systematische Mädchen-Abtreibung entsteht: wenn - wie in dem Bericht (und vor allem auch in dem verlinkten Wikipedia-Artikel ausgeführt) erwähnt - in den letzten zwei Jahrzehnten Millionen Schwangerschaften mit weiblichen Feten beendet wurden, dann verschiebt man das Geschlechterverhältnis massiv. Das sind nämlich dann Millionen junge Männer, die rein rechnerisch schon keine Braut (Monogamie vorausgesetzt) bekommen
können. Abgesehen vom persönlichen Unglück dieser Männer, dem diese nur durch eine starke Konkurrenz untereinander und/oder durch Importbräute (was das bestehende Problem aber nur verlagert) begegnen können, stellen diese aussichtslosen jungen Männer auch eine Gruppe dar, die ihr persönliches Schicksal noch nicht mal persönlich zuordnen kann. Man muss die ganze Elterngeneration, zumindest die, die nicht auch weibliche Kinder hat und bei denen der Verdacht nicht besteht, da "nachgeholfen" zu haben, verantwortlich machen, kann aber nicht hergehen mit "du hast meine Braut getötet". Zumal die soziale Selektion dann dazu führen wird, dass eher die sozial Unterprivilegierten keine Braut abbekommen, Männer, die sich eher nicht gesellschaftlich direkt artikulieren. Das kann zu Frust führen. Frust bei jungen Männern führt häufig zu Gewalt.
Ob das langfristig zu einer höheren Wertschätzung der Frauen an sich in diesen Gesellschaften führt, ist noch fraglich. Denn die, die wie auch immer noch eine Frau bekommen haben, scheinen ja geradeso weiterzumachen. Das erforderte also ein radikales Umdenken.