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Präparate mit Zink plus Vitamin C (Gelesen: 4213 mal)
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Augsburg
Präparate mit Zink plus Vitamin C
16. Mai 2012 um 15:04
 

Artikel erschien in:      ÖKO-TEST Kompakt Vitamine

Präparate mit Zink plus Vitamin C
Im Zinkflug

"Zink hilft bei Erkältungen" titelten diverse Medien. Doch wer sich die zugrundeliegenden Studien genauer anschaut, kommt schnell auf den Boden der Tatsachen: Die beschriebenen Effekte sind bescheiden. Und eine Empfehlung zur Einnahme von Zinktabletten lässt sich daraus nicht ableiten.

ÖKO-TEST rät

* Für eine etwaige vorbeugende Einnahme von Zinkpräparaten zur Verhinderung von Erkältungen gibt es derzeit keinen Grund, die vorliegenden Studien reichen nicht aus, um eine solche Empfehlung auszusprechen.

* Wer sich ausgewogen ernährt, braucht die getesteten Produkte nicht. Gute Zinkquellen sind Rind- und Schweinefleisch, Geflügel, Eier, Milch und Käse. Die besten Vitamin-C-Quellen sind Obst und Gemüse sowie daraus hergestellte Säfte.

* An Zinkmangel können Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Diabetes, Neurodermitis und Schuppenflechte leiden. Ob im Einzelfall ein Mangel vorliegt, kann der Arzt feststellen, der dann nötigenfalls ein entsprechend hoch dosiertes Medikament verordnet.


Eigentlich war die Sache klar: "Vitamin-C- und Zinktabletten verhindern oder heilen Erkältung nicht." So überschrieb die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Oktober 2008 eine Pressemitteilung und erklärte: "Die Wirksamkeit der Supplementation von Vitamin C und Zink zur Prävention und Behandlung von Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung ist wissenschaftlich nicht bewiesen."

Im Februar 2011 sah jedoch plötzlich alles ganz anders aus. "Zink hilft bei Erkältungen", titelte Spiegel Online, "Zink reduziert Erkältungsdauer", hieß es bei Focus Online, "Zink hilft gegen Erkältungen - Kürzere und weniger Beschwerden bei grippalen Infekten" verkündete die Süddeutsche Zeitung.

Für den Aufruhr sorgte nicht etwa eine neue klinische Studie. Stattdessen hatten sich Meenu Singh und Rashmi Das vom medizinischen Ausbildungs- und Forschungsinstitut in Chandigarh, Indien, die Arbeit gemacht, Datenbanken nach Zink und Erkältungen zu durchforsten. Sie suchten nach Studien, in denen Zinkpräparate entweder therapeutisch zu Beginn einer Grippe oder dauerhaft vorbeugend eingenommen wurden. Sie fanden 15 kontrollierte Studien mit insgesamt 1.360 Teilnehmern, in denen Zink mit einem Scheinmedikament verglichen wurde und kommen tatsächlich auf den ersten Blick zu Schlussfolgerungen , die die Einnahme von Zink zu rechtfertigen scheinen: Wird das Spurenelement innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen, dauert die Erkältung bei ansonsten gesunden Menschen weniger lang und verläuft weniger schwer. Kinder, die für mindestens fünf Monate täglich 10 bis 15 Milligramm (mg) Zink geschluckt hatten, litten seltener an Erkältungen, sie fehlten nicht so oft in der Schule und ihnen wurden weniger Antibiotika verschrieben.

Der Teufel steckt jedoch wieder einmal im Detail. Zum einen sind die beobachteten Effekte bescheiden: Die Dauer der Erkältung verkürzte sich im Mittel gerade einmal um einen Tag. Zudem war man bei der Dosierung nicht zimperlich: Die Erwachsenen nahmen täglich 30 bis 160 mg Zink ein. Zum Vergleich: Hierzulande zur Behandlung eines Zinkmangels erhältliche Arzneimittel enthalten gerade einmal bis zu 25 mg Zink in einer Tagesdosis. Da wundert es nicht, wenn in den ausgewerteten Studien immer wieder Nebenwirkungen beschrieben werden. Insbesondere zinkhaltige Lutschtabletten sorgten häufig nicht nur für schlechten Geschmack auf der Zunge, sondern auch für Übelkeit.
Untersuchungen an chronisch Kranken fehlen

Singh und Das machen noch auf zwei weitere Probleme aufmerksam: Für eine allgemeine Empfehlung zur Anwendung von Zink bei Erkältungen reichen die Daten nicht aus. Zudem fehlen Untersuchungen an chronisch Kranken, Immungeschwächten und Asthmapatienten - Menschen also, denen eine Erkältung prinzipiell gefährlich werden kann.
ÖKO-TEST hat 25 Nahrungsergänzungsmittel mit Zink und Vitamin C eingekauft. Denn auch Vitamin C wird nachgesagt, dass es das Immunsystem positiv beeinflusst. Wir wollten wissen: Wie viel Zink und Vitamin C stecken in den Produkten? Was versprechen die Anbieter? Und wem nutzt die Einnahme?

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Beiträge: 3302
Augsburg
Re: Präparate mit Zink plus Vitamin C
Antwort #1 - 16. Mai 2012 um 15:05
 

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Das Testergebnis

Kein getestetes Nahrungsergänzungsmittel kommt über ein "befriedigend" hinaus. Die Mehrzahl der Produkte schneidet mit "mangelhaft" oder "ungenügend" ab. Grund: Für einen Nutzen solcher Präparate gibt es keinerlei Belege. Eine vollwertige Ernährung enthält prinzipiell ausreichende Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, um den Bedarf eines Erwachsenen problemlos zu decken. Um etwaige positive Wirkungen bei Erkältungen erzielen zu können, enthalten die untersuchten Präparate im Übrigen viel zu wenig Zink. Die in den Studien angesprochenen Mengen dürfen in Nahrungsergänzungsmitteln nämlich überhaupt nicht zum Einsatz kommen.

Zwei von drei Präparaten enthalten für ein Nahrungsergänzungsmittel zu viel Zink, eines von dreien zu viel Vitamin C. Mangels gesetzlich geregelter Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln orientieren wir uns weiter an den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), das bereits 2004 entsprechende Vorschläge unterbreitet hat. Das BfR ordnet Zink bei der Klassifikation von Nährstoffen der höchsten Risikoklasse zu.

Eine erhöhte Zinkzufuhr kann zu Kupfermangel und zu Störungen in der Blutbildung führen. Das BfR schlägt in Nahrungsergänzungsmitteln eine tägliche Höchstmenge von 2,25 mg vor, häufig stecken in einer Tagesdosis aber 5 bis 10 mg. Außerdem stellt das BfR klar, dass Kinder und Jugendliche keine Nahrungsergänzungsmittel mit Zink verzehren sollten. Die meisten Hersteller weisen darauf nicht hin. Für Vitamin C empfiehlt das BfR eine Tageshöchstdosis von 225 mg in Nahrungsergänzungsmitteln. In einigen getesteten Produkten sind es aber 300 bis 500 mg.

Aussagen wie "zur Unterstützung der Abwehrkräfte" oder "besonders wichtig bei nasskalter Witterung" dienen lediglich dem Marketing: Weder schützt die Einnahme von Zink und Vitamin C vor Erkältungen noch verkürzt sie deren Dauer wesentlich. Trotzdem finden sich entsprechende Hinweise auf fast allen Produkten. Etliche Hersteller beschreiben dabei nicht die Wirkung des Präparats, sondern die Eigenschaften von Vitamin C oder Zink. Wir halten es aber für selbstverständlich, dass Verbraucher diese Eigenschaften auch auf das Produkt übertragen und sehen diese Aussagen deshalb in jedem Fall kritisch. Weitere Auslobungen beschreiben nützliche Eigenschaften von Vitamin C und Zink, die auf der einen Seite zwar richtig sind, auf der anderen Seite aber auch so trivial, dass man getrost darauf verzichten kann.
Auf der Verpackung oder dem Beipackzettel einiger Produkte wird mit einer Depot- oder Langzeitwirkung geworben, etwa auf den Cetebe Abwehr Plus Vitamin C + Zink Komplex, Kapseln: "Durch die Zeitperlen-Technologie wird das Vitamin C (...) kontinuierlich dem Körper von morgens bis abends zur Verfügung gestellt." Das bringt dem Anwender aber keinerlei Vorteile. "Hinsichtlich einer kontinuierlichen Bereitstellung (im Darm) von Vitamin C über den Tag kenne ich keine Studie, die die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme belegt", erklärt Professor Peter Stehle, Ernährungswissenschaftler an der Uni Bonn.

Quelle: => ÖKO-TEST Kompakt Vitamine
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