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ÖKO-TEST Kompakt VitaminePräparate mit Zink plus Vitamin CIm Zinkflug
"Zink hilft bei Erkältungen" titelten diverse Medien. Doch wer sich die zugrundeliegenden Studien genauer anschaut, kommt schnell auf den Boden der Tatsachen: Die beschriebenen Effekte sind bescheiden. Und eine Empfehlung zur Einnahme von Zinktabletten lässt sich daraus nicht ableiten.
ÖKO-TEST rät
* Für eine etwaige vorbeugende Einnahme von Zinkpräparaten zur Verhinderung von Erkältungen gibt es derzeit keinen Grund, die vorliegenden Studien reichen nicht aus, um eine solche Empfehlung auszusprechen.
* Wer sich ausgewogen ernährt, braucht die getesteten Produkte nicht. Gute Zinkquellen sind Rind- und Schweinefleisch, Geflügel, Eier, Milch und Käse. Die besten Vitamin-C-Quellen sind Obst und Gemüse sowie daraus hergestellte Säfte.
* An Zinkmangel können Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Diabetes, Neurodermitis und Schuppenflechte leiden. Ob im Einzelfall ein Mangel vorliegt, kann der Arzt feststellen, der dann nötigenfalls ein entsprechend hoch dosiertes Medikament verordnet.
Eigentlich war die Sache klar: "Vitamin-C- und Zinktabletten verhindern oder heilen Erkältung nicht." So überschrieb die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Oktober 2008 eine Pressemitteilung und erklärte: "Die Wirksamkeit der Supplementation von Vitamin C und Zink zur Prävention und Behandlung von Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung ist wissenschaftlich nicht bewiesen."
Im Februar 2011 sah jedoch plötzlich alles ganz anders aus. "Zink hilft bei Erkältungen", titelte Spiegel Online, "Zink reduziert Erkältungsdauer", hieß es bei Focus Online, "Zink hilft gegen Erkältungen - Kürzere und weniger Beschwerden bei grippalen Infekten" verkündete die Süddeutsche Zeitung.
Für den Aufruhr sorgte nicht etwa eine neue klinische Studie. Stattdessen hatten sich Meenu Singh und Rashmi Das vom medizinischen Ausbildungs- und Forschungsinstitut in Chandigarh, Indien, die Arbeit gemacht, Datenbanken nach Zink und Erkältungen zu durchforsten. Sie suchten nach Studien, in denen Zinkpräparate entweder therapeutisch zu Beginn einer Grippe oder dauerhaft vorbeugend eingenommen wurden. Sie fanden 15 kontrollierte Studien mit insgesamt 1.360 Teilnehmern, in denen Zink mit einem Scheinmedikament verglichen wurde und kommen tatsächlich auf den ersten Blick zu Schlussfolgerungen , die die Einnahme von Zink zu rechtfertigen scheinen: Wird das Spurenelement innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen, dauert die Erkältung bei ansonsten gesunden Menschen weniger lang und verläuft weniger schwer. Kinder, die für mindestens fünf Monate täglich 10 bis 15 Milligramm (mg) Zink geschluckt hatten, litten seltener an Erkältungen, sie fehlten nicht so oft in der Schule und ihnen wurden weniger Antibiotika verschrieben.
Der Teufel steckt jedoch wieder einmal im Detail. Zum einen sind die beobachteten Effekte bescheiden: Die Dauer der Erkältung verkürzte sich im Mittel gerade einmal um einen Tag. Zudem war man bei der Dosierung nicht zimperlich: Die Erwachsenen nahmen täglich 30 bis 160 mg Zink ein. Zum Vergleich: Hierzulande zur Behandlung eines Zinkmangels erhältliche Arzneimittel enthalten gerade einmal bis zu 25 mg Zink in einer Tagesdosis. Da wundert es nicht, wenn in den ausgewerteten Studien immer wieder Nebenwirkungen beschrieben werden. Insbesondere zinkhaltige Lutschtabletten sorgten häufig nicht nur für schlechten Geschmack auf der Zunge, sondern auch für Übelkeit.
Untersuchungen an chronisch Kranken fehlen
Singh und Das machen noch auf zwei weitere Probleme aufmerksam: Für eine allgemeine Empfehlung zur Anwendung von Zink bei Erkältungen reichen die Daten nicht aus. Zudem fehlen Untersuchungen an chronisch Kranken, Immungeschwächten und Asthmapatienten - Menschen also, denen eine Erkältung prinzipiell gefährlich werden kann.
ÖKO-TEST hat 25 Nahrungsergänzungsmittel mit Zink und Vitamin C eingekauft. Denn auch Vitamin C wird nachgesagt, dass es das Immunsystem positiv beeinflusst. Wir wollten wissen: Wie viel Zink und Vitamin C stecken in den Produkten? Was versprechen die Anbieter? Und wem nutzt die Einnahme?
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