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Zuckerforschung ahoi (Gelesen: 6465 mal)
Hema
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Beiträge: 6394

Zuckerforschung ahoi
09. März 2014 um 08:51
 
Teil 1:

Im realen Leben forschen Arzneimittelhersteller an Substanzen, prüfen sie und bringen sie dann auf den Markt. Hersteller homöopathischer Mittel unterliegen dank einiger gesetzlicher Sonderregelungen nicht den strengen Maßstäben, die für normale Medikamente gelten. Unter der Vorgabe, dass sich der Produzent hinsichtlich der Anwendungsgebiete sprachlich zurückhält, also nur solche Formulierungen verwendet wie „traditionell angewandt bei…“, sind solche Produkte nur einem sehr vereinfachten Zulassungsverfahren unterworfen. Wenn ein Hersteller nun keine Mittel für Forschung und Entwicklung sowie teure (!) Zulassungsverfahren aufbringen muss, kann er die verfügbaren Gelder in das Marketing investieren. Da viele homöopathische Mittel frei erhältlich sind und v.a. Frauen bei dieser Art der Selbstbehandlung gerne zugreifen, sind sie auch die vorrangige Zielgruppe solcher Werbemaßnahmen.

Neben dieser Selbstmedikation wird aber auch von Heilpraktikern und Ärzten, mal ideologisch motiviert, mal rein ökonomisch orientiert so manches Mal diese Methode eingesetzt. Wenn der Patient Glück hat, empfiehlt der Behandler dies nur dann, wenn durch diese reine Placebotherapie kein Schaden zu befürchten ist jenseits der Geldverschwendung. Wenn der Patient Pech hat und an einen Ideologen gerät, der tatsächlich an die umfassende Heilwirkung der Methode glaubt, wird eine zielführende Therapie aufgeschoben oder versäumt und der Patient muss mit den Folgen leben – oder auch nicht.

Patienten gehen in der Regel davon aus, dass zu den Mitteln nicht nur anekdotische Erfahrungen vorliegen, sondern auch Forschung stattgefunden habe. Das ist bei homöopathischen Zubereitungen allermeist ein Irrtum, der jedoch durch geschicktes Marketing der Hersteller nicht im Fokus steht. Immer wieder wird von Vertretern der Methode „mehr Forschung“ gefordert, am liebsten mit öffentlichen Geldern.

Es erstaunt, dass dieses Anliegen nicht wie in  der normalen Pharmabranche an die Hersteller herangetragen wird, sondern an die öffentliche Hand.

Nachdem im letzten Jahr nach einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung (1) klar wurde, dass in die Richtung Komplementärmedizin wenig Lust besteht, öffentliche Gelder zu verwenden, gehen die ärztlichen Anwender nun andere Wege, wie in einer aktuellen Veröffentlichung (2) zu lesen ist.

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) will über seine Homöopathie-Stiftung eine Spendeninitiative vorantreiben, um Forschung zu finanzieren. Forschung, die er eigentlich nach einer Einlassung der 1. Vorsitzenden Cornelia Bajic für unnötig hält: „Hier geht es mitnichten um eine „Rechtfertigungsforschung“, nach 200 Jahren müssen wir nun wirklich nicht mehr beweisen, dass die Homöopathie eine effektive Therapiemethode ist. Anwenderzahlen und Beliebtheitsumfragen sprechen da schon für sich.“  Vielmehr gehe es um die weitere Einbindung der Homöopathie, um die Evaluation, wann die Homöopathie „integrativ, komplementär oder gar nicht einzusetzen“ sei. Dazugebe es viele Erfahrungen, aber „vergleichsweise wenig wissenschaftliche Forschung“.

Man mag sich gar nicht vorstellen, wenn an Patienten mit ernsthaften Erkrankungen „homöopathische Forschung“ betrieben wird. Schon die „Diagnose“ ist nach homöopathischer Lehre eine völlig andere. Wollte man da konsequent sein, müsste man auf all die neuen feinen Geräte zur Verdachtssicherung und auch die vielfältigen Möglichkeiten, die das moderne Labor bietet, verzichten. Wenn die Behandlung nach Hahnemann erfolgen soll, ist die Diagnostik nach Hahnemann unverzichtbar und viel mehr als tief in die Augen schauen und Puls fühlen hatte er nicht. Und natürlich seine Bewertungen zu der Lebensführung der Patienten, wie sie aus der Fußnote zum § 260 des Organon zu lesen sind, in dem ausgeführt ist, wann Homöopathie NICHT wirken kann. Das Ansinnen krankt also schon am Ansatz.
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« Zuletzt geändert: 10. März 2014 um 07:02 von Hema »  
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Hema
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Beiträge: 6394

Re: Zuckerforschung ahoi
Antwort #1 - 09. März 2014 um 08:52
 
Teil 2:

Nach welchen Maßstäben soll vorher (!) entschieden werden, wo Homöopathie zum Einsatz kommen kann und wo nicht? Nach der Lehre ist die Homöopathie bei allen Erkrankungen wirksam. Soll nun die wissenschaftliche Vernunft genau bis dorthin gelten, wo das Doppeldenk dann doch noch juristisches Ungemach fürchtet, wenn der Patient vorzeitig oder unnötig (nach wiss. Medizin) stirbt? Bei Krebs dann lieber doch nicht? Warum?

Auch die „Arzneimittelprüfungen“ sind in der Homöopathie ganz anders gestaltet, als dies übliche Annahme ist und die wissenschaftliche Vernunft gebietet. Das Mittel wird genommen und dann wird alles notiert, was dann so gerade passiert. Ein wirklich standardisiertes Verfahren gibt es auch dazu nicht, bei vielen Mittel wird einfach die Erfahrung, also Anekdoten angeführt.

Auf S. 19 (Quelle 2) führt eine homöopathische Ärztin aus, dass Krankheit, Arzneimittel und Heilung „primär immateriell“ verstanden werden. Warum bei einem einzigen Krankheitsbild, nämlich diffus einer gestörten Lebenskraft so viele verschiedene Mittel verwendet werden müssen in zig unterschiedlich gewähnten Dosierungen (D 30 oder C 100 ist egal), bleibt offen. Talismane zum Einnehmen.

Ebenso wird der Begriff der „Leitlinie“, der eigentlich von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) geprägt wurde, vom DZVhÄ strapaziert. Die „Leitlinien“ des DZVhÄ sind jedoch anders entstanden, also nicht durch Sammeln der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur, Sichtung, Bewertung und Diskussion unter Fachkollegen, sondern scheinen sich auf alte homöopathische Texte zu beziehen.

Wie stark man mit Homöopathie ohne Not und zum potentiellen Schaden des Patienten an der Oberfläche bleibt, zeigt eine Behandlungsempfehlung zu „Halsschmerzen“. Davon abgesehen, dass Hahnemann noch gar keine konkreten Krankheitserreger kannte (das kam erst gute 30 Jahre nach Hahnemann als Konzept auf), werden auch bei bakteriellen Ursachen einfach ein paar Mittel genannt, ohne Dosierungsempfehlung. Welches Mittel nun bei welchem Patienten zum Einsatz kommen soll, ist dem Behandler überlassen und richtet sich nach interessanten Beschreibungen wie "splitteratigen Schmerzen" oder ob die "rechte oder linke Mandel" mehr betroffen ist. Auffällig ist, dass die wenigen, nach wissenschaftlicher Diagnostik be- und genannten Ursachen in ihrem Beschwerdebild und in den möglichen Komplikationen heruntergespielt werden. Ärztliche Durchhalteparolen.

Da ist man doch gespannt, wie die nach Hahnemann gar nicht konkret zu diagnostizierende AIDS-Erkrankung behandelt werden soll.

Beim DZVhÄ ist man derweil in Aufbruchsstimmung: Endlich gute Forschung, kommt Geld, kommen haltbare Ergebnisse. Außerhalb dieses binnenkonsensualen Kreises, dieser ärztlichen Parallelwelt von immerhin nach eigener Angabe 7000 Ärzten, könnte man darüber schmunzeln, müsste man nicht befürchten, dass unzureichend aufgeklärte Patienten unnötig Beschwerden dulden müssen. Da sei die Ethik-Kommission vor.

Vernunft ahoi.


1 Kleine Anfrage

2 Ärztliche Homöopathie 2014

3 Empfehlungen zu Halsschmerzen vom DZVhÄ
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« Zuletzt geändert: 09. März 2014 um 15:42 von Hema »  
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elf
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Südland
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Re: Zuckerforschung ahoi
Antwort #2 - 09. März 2014 um 14:04
 
Wie dumm wird die Welt?

@Hema: Kannst Du bitte die URLs kontrollieren/korrigieren?
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Hema
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Beiträge: 6394

Re: Zuckerforschung ahoi
Antwort #3 - 09. März 2014 um 15:43
 
Da hatte sich ein Fehler eingeschlichen, merci.

Wie dumm das noch wird, weiß ich nicht. Das Ausmaß erstaunt aber schon jetzt.
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elf
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Beiträge: 8423
Südland
Geschlecht: male
Re: Zuckerforschung ahoi
Antwort #4 - 09. März 2014 um 16:44
 
Hema schrieb am 09. März 2014 um 15:43:
Wie dumm das noch wird, weiß ich nicht. Das Ausmaß erstaunt aber schon jetzt.

Scholl-Latour - Zitat:
"Wir leben in einer Zeit der Massenverblödung"
http://www.heise.de/tp/artikel/41/41168/1.html
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