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Gülen-Bewegung: Manipulation auf leisen Sohlen (Gelesen: 6640 mal)
Hema
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Beiträge: 6394

Gülen-Bewegung: Manipulation auf leisen Sohlen
22. Juli 2014 um 15:12
 
Manipulation auf leisen Sohlen

Warum die Gülen-Bewegung für unsere Demokratie gefährlicher ist als die Salafisten

Wesentlicher Bestandteil unserer offenen Gesellschaft und Demokratie sind freie Medien, freie Presse. Die Pressefreiheit hat nicht nur Verfassungsrang, sondern kann auch, wenn schon nicht immer als Garant, so doch als Weg zur Wahrheitsfindung gar nicht überschätzt werden. Gruppierungen, die offen oder verdeckt diese Pressefreiheit nicht nur in Frage stellen, sondern auch bedrohen, kann man mit aller Berechtigung Feinde einer freien und offenen Gesellschaft nennen. Islamisten aller Couleur sind Gegner einer freien Presse. Kritische Berichterstattung ist ihnen ein Dorn im Auge, die Gegenmaßnahmen reichen von Anwaltsschreiben bei legalistischen Gruppen bis hin zu offenen Gewaltaufrufen gegen Journalisten durch jihadistische Sympathisanten. Bei offenen Gewaltandrohungen ist der gesellschaftliche Konsens sicher. Das Vorgehen legalistischer Gruppierungen wird hingegen meist erst gar nicht breiter bekannt. Sogar andere Journalisten scheinen sich oftmals zu scheuen, die Schikanen, denen auch seriös und wahrheitsgemäß berichtende Medienschaffende ausgesetzt sind, zu thematisieren. An einer Aufklärung der Inhalte selber sind sie erst recht nicht mehr interessiert: Die Kollegin, der Kollege dienen nur noch als abschreckende Beispiele, wie es einem ergehen kann, wenn man um die Berichterstattung über bestimmte Gruppen keinen großen Bogen macht oder sich gleich ganz gut mit ihnen stellt. Wenn bestimmte wahrheitsgemäße Inhalte nicht mehr berichtet werden, wenn auch nicht mehr berichtet werden kann, warum sie nicht mehr öffentlich werden können, dann kommt der Tod der Pressefreiheit auf ganz, ganz leisen Sohlen.

Eine dieser legalistisch operierenden Gruppierungen ist die Gülen-Bewegung.

Die Gülen-Bewegung stammt aus der Türkei und geht auf den Prediger Fethullah Gülen zurück. Gülen lässt wechselnde Statements verbreiten, die auch nach Nützlichkeit und Zielgruppe wechseln. Mal angeblich demokratiefreundlich und egalitär, mal – zur Bewegung hin – streng sich auf den Koran berufend. Nach außen hin tritt die Bewegung bildungsorientiert und im Eigenmarketing apolitisch auf. Dass dies jedoch ein bewusst hervorgerufener Fehleindruck ist, dass sehr gezielt die politische und mediale Einflussnahme gesucht wird, zeigt sich nicht nur beim Blick in die Türkei. Der Gründer paktiert seit Jahrzehnten mit wechselnden türkischen Machthabern und regt seine Anhänger an, sie sollten unauffällig den Marsch durch die Institutionen antreten. In der Türkei haben sie das bereits und sind zu einem Machtfaktor geworden. Nach dem Zerwürfnis mit Erdogan in 2013, mit dem man lange gemeinsame Sache machte, ist Deutschland mit der hohen Zahl potentieller und auch realer Anhänger ein, wenn nicht der wichtigste Brückenkopf Gülens geworden.
Das liegt nicht nur an den strategisch verteilten Nachhilfeinstituten und Schulen, die oft unter Verdeckung des Gülen-Bezugs arbeiten, und der Einbindung fehlgeleiteter, weil fehlinformierter Politiker. Das liegt auch an der eigenen Medienmacht, die man nicht nur über den hauseigenen Medienkonzern ausübt, sondern auch die Infiltration der Medienlandschaft mit ausschließlich genehmen Positionen versucht. Breit werden strategisch ausgewählte Medienschaffende eingeladen, nach Art des „love bombing“ der Mun-Sekte mit Freundlichkeit geradezu ertränkt, um Zweifel an den Zielen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Wer so freundlich auftritt, kann doch nur ein guter Mensch sein und guter Demokrat. Auf diese Weise wurden schon Journalisten vom Spiegel, Vorsitzende von Landesmedienanstalten geladen, stellvertretende Intendanten und andere hochrangige Medienschaffende.
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« Zuletzt geändert: 22. Juli 2014 um 22:55 von Hema »  
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Hema
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Beiträge: 6394

Re: Manipulation auf leisen Sohlen
Antwort #1 - 22. Juli 2014 um 15:14
 
Zuckerbrot und Peitsche

Das ist das Zuckerbrot. Die Peitsche kommt, wenn kritisch berichtet wird. Dann kommen erst böse und ehrverletzende Kommentare im hauseigenen Deutsch-Türkischen Journal (dtj), dann Anwaltsschreiben und zuletzt Klagen. Die Kritiker, vor allem aber ihre Verbreitungsmedien, sollen eingeschüchtert, mürbe gemacht und klein gekriegt werden. Diese Vorgehensweise ist klassisch zur Zeit in Leipzig zu beobachten. Der MDR wird verklagt, obwohl er nach eigener, gerichtsfester Prüfung wahrheitsgemäß berichtete. Der Justiziar des MDR nahm trotzdem – angeblich alleinverantwortlich, was nach Rundfunkrecht so wie dargelegt gar nicht statthaft ist – den Beitrag aus dem Angebot. Wegen eines weiteren Beitrages, der wohl auf Protest der beteiligten Redaktion hin zustande kam, läuft die gerichtliche Auseinandersetzung noch. Die örtlichen Printmedien scheinen an den Hintergründen jedoch nicht breiter interessiert. Zumindest findet sich niemand, der da mal recherchieren will, weshalb der Leipziger SPD-Vorsitzende einen Stellvertreterkrieg ausficht, der für den Stadtverband nicht nur teuer, sondern auch rufschädigend ist. Parteieigene Verfahren haben versagt.
Man kann nur inständig hoffen, dass andere öffentlich rechtliche Medien sich ihrer Verantwortung bewusster sind als dieser in vorauseilendem Gehorsam tätige Justiziar des MDR. Wer, wenn nicht die öffentlich rechtlichen Medien, sollte das – überschaubare – Prozessrisiko für wahrheitsgemäße Berichterstattung tragen? Die Gülen-Bewegung hat bislang fast alle Verfahren vollumfänglich verloren. Was riskiert man also? Doch nur ein wenig Ärger und Arbeitszeit der juristischen Abteilung. Die aber sollte nicht nur dazu da sein, Prozesse abzuwenden, sondern auch dazu, sie auszufechten, wenn es die eigene Rolle dringend erfordert – und unser Gemeinwesen. Dafür zahlen wir *auch* unsere Gebühren, dass die Pressefreiheit hoch gehalten wird und nicht Spielball von Interessengruppen oder hauseigenen Bequemlichkeiten wird.

Leipzig ist überall

Auch wenn der Leipziger Fall stärker öffentlich bekannt sein könnte als andere und vielleicht auch ist, so ist dies kein Einzelfall. Gegen den Film „Der lange Arm des Imam“ wurde ebenfalls geklagt. Die Gülen-Bewegung verlor. Es gibt weitere Fälle, in denen beim Arbeitgeber angeschwärzt wurde, wie sogar im Gülenblatt dtj zugegeben. Medien, die sich sogar mit Weltkonzernen anlegen, werden schmallippig, wenn es um die Gülen-Bewegung geht. Bei keiner anderen Gruppierung, deren Beobachtung sogar vom Verfassungsschutz geprüft wird, ist eine solche Schweigespirale auch nur vorstellbar. Eine solche Haltung kennt man eigentlich nur aus anderen Ländern, wenn es z.B. um Scientology geht – oder die Mafia.

Too big to fail?

Ist die Gülen-Bewegung also schon zu mächtig? Nein, das ist sie nicht. Es ist der Popanz, den sie aufbaut und der ängstliche Gemüter und auch Profiteure beeindruckt. Krämerseelen, die den Popanz an sich lieben, und real Profitierende wie Dozenten, Wirtschaftsanwälte und andere, die vom größer als real aufgeblasenen Kuchen ein Stück abhaben wollen. Gier und Angst sind jedoch auch hier schlechte Ratgeber. Wenn man genau hinschaut, ist es vor allem jämmerliche Feigheit, die diese durchaus beachtlichen Effekte hervorruft. Denn wenn man genau hinschaut ist bislang kein Fall bekannt geworden, dass die Gülen-Bewegung jemanden hierzulande physisch ernstlich bedroht hätte. Wir haben den Rechtsstaat hinter uns. Sozialer Tod für Anhänger, die aussteigen wollen, ja. Wirtschaftlicher Ruin für Kritiker, ja, auch das wird angestrebt. Aber es ist kein Killer-Kommando zu befürchten, und wenn man sich den Anbiederungen der Bewegung versagt, passiert auch nichts jenseits des Umstandes, dass man am nächsten Morgen in den Spiegel schauen kann. Oder sein Geld auf bessere Weise verdienen muss.

Was die Gülen-Bewegung allerdings gefährlich macht, gefährlicher als die Salafisten, ist, dass sie diese Saat der Feigheit in die Mitte der Gesellschaft trägt. Wenn Presse- und Meinungsfreiheit Schaden nehmen durch einen solchen Popanz. Dass sie bewirkt, dass Menschen einknicken, dass nicht mehr kritisch berichtet wird, dass Menschen aus Angst um ihre berufliche Zukunft verstummen.

Dass nicht mehr gesagt werden kann, was ist.
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« Zuletzt geändert: 22. Juli 2014 um 22:54 von Hema »  
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Hema
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Beiträge: 6394

Re: Gülen-Bewegung: Manipulation auf leisen Sohlen
Antwort #2 - 06. September 2014 um 15:17
 
Über diese Veranstaltungsreihe werden jährlich Medienschaffende und der Nachwuchs an die Bewegung herangeführt:

World Media Akademie
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Hema
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Beiträge: 6394

Re: Gülen-Bewegung: Manipulation auf leisen Sohlen
Antwort #3 - 07. November 2014 um 11:46
 
Die Neigung der Medien, zu diesem Thema zu berichten, ist leider gering.

Gut, IS überdeckt einiges, aber diese Gruppierung ist nach wie vor aktiv.
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merlin.b
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Beiträge: 177

Re: Gülen-Bewegung: Manipulation auf leisen Sohlen
Antwort #4 - 15. Dezember 2014 um 22:22
 
Liebe Hema,

ich empfinde es als sehr bedenklich, was sich hier, unbeachtet von der breiten Masse, zusammenbraut. Agierend aus den USA fühle ich mich von der Gülen-Bewegung bedroht. Wir haben hierzulande Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und eben auch die Pressefreiheit. Eben diese wird aber imho nicht nur durch diese "externen Kräfte" untergraben. "Unabhängigkeit" gibt es schon lange nicht mehr. Trotz allem sollte immer noch unser Grundgesetz gelten. Wer sich dazu nicht bekennen möchte/kann (Vogel & Co.) dürfte dann auch keine Plattform bekommen, um seine Thesen zu verbreiten. Ich denke, dass gerade wir Deutschen eine historische Verantwortung haben und mit Mut gegen bestimmte Gruppierungen auftreten sollten.

Gut, dass viele Menschen die Rote Karte hochhalten und gegen Pediga antreten. Wehret den Anfängen!

Unsere Politik ist schwach und das Volk dumm. Quo vadis? Solange Brot und Spiele die Massen begeistert, sehr ich schwarz für unsere Zukunft.

Die Thesen von C. F. v. Weizsäcker nehmen immer mehr Gestalt an.

merlin
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