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Wanderrucksäcke

Mit Sack und Pack

Wir haben zehn Wanderrucksäcke in die Labore geschickt und sie gründlich untersuchen lassen: Gute Qualität bekommt man ab 85 Euro. Das billigste Modell im Test war auch das schlechteste und fiel mit "mangelhaft" durch.

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09.10.2015 | Der Rucksack hat sich zum Allroundtalent gemausert. Wurde der früher vor allem auf dem Rücken von Wanderern gesichtet, begleitet er uns heute bei vielen Freizeitaktivitäten. Dementsprechend riesig ist das Angebot. Das fängt beim Fassungsvermögen an, geht über das Rückensystem weiter und endet nicht zuletzt bei der Ausstattung mit Fächern und Gurten. Es gibt Rucksäcke fürs Wandern, Klettern oder Radfahren, für Skitouren und auch wasserdichte Backpacks fürs Surfen, Segeln und Kanufahren. Zudem werden Rucksäcke speziell für Frauen und Männer angeboten.

Wir haben Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein nach dem richtigen Modell für eintägige Wandertouren gefragt: "Für Tagestouren sind Modelle mit 15 bis 30 Liter Volumen und einem Netzrücken, der für eine optimale Belüftung am Rücken sorgt, empfehlenswert." Das Modell sollte einfach und unkompliziert sein, ein Hauptfach und eventuell ein Deckelfach haben. Ein Hüftgurt nehme bereits bei kleineren Modellen etwas Gewicht von den Schultern. Der Ausrüstungsexperte erklärt: "Schwere Dinge packt man nah am Körper und möglichst hoch in den Rucksack. Mehr als sechs bis maximal acht Kilogramm Gepäck reichen für eine Tageswanderung aus. Jedes Kilo mehr schmälert die Freude am Laufen."

Für Hüttentouren oder den Wochenendtrip bieten sich dann Rucksäcke mit 30 bis 50 Litern an, denn hier müssen auch ein Waschbeutel, ein Hüttenschlafsack sowie Wechselklamotten Platz finden. Solche Modelle haben ein Hauptfach, das zweigeteilt ist: ein oberes Fach, das von oben zugänglich ist, sowie ein unteres Fach, das frontal über einen Reißverschluss geöffnet werden kann. Ab diesem Volumen gehört auch ein ordentlicher, gepolsterter Hüftgurt zur Ausstattung. Rucksäcke mit 50 bis 70 Liter eignen sich für mehrwöchige Touren.

Im Test: Zehn Wanderrucksäcke mit einem Fassungsvermögen von 24 bis 30 Litern. Alle Modelle haben wir in einem großen Praxistest auf ihre Belastbarkeit, Handhabung und den Tragekomfort geprüft. Die Rucksäcke wurden zudem durch eine große Schadstoffprüfung bei anerkannten Fachlaboren geschickt.

Das Testergebnis

Jeder zweite Rucksack machte eine gute Figur: Fünf Modelle zwischen 85 und 100 Euro schneiden mit der Note "gut" ab. Die günstigen Säcke sowie das teure Salewa-Modell sind nur "ausreichend".

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben zehn Wanderrucksäcke eingekauft, die mit einem Volumen von 24 bis 30 Litern auch für Tagestouren an kalten Tagen groß genug sind. Dabei haben wir zu beliebten Marken gegriffen und zu Modellen, die mit einem Hüftgurt ausgestattet sind. Sieben Rucksäcke haben einen Netzrücken und drei einen Polsterkontaktrücken. Mit dabei sind sowohl Exemplare für Männer und Frauen als auch Unisexmodelle.

Die Inhaltsstoffe
Rucksäcke sind ein bunter Materialmix aus Textilien, Gurten und Verschlüssen, die aus verschiedenen Kunstgeweben und -stoffen gefertigt wurden. Daher haben wir unsere Schadstoffprüfung sehr breit angelegt und ein Materialscreening auf etwa Weichmacher, antimikrobielle Ausrüstung und Flammschutzmittel durchgeführt. Wir ließen zudem auf Schwermetalle, zinnorganische Verbindungen sowie krebserregende und allergisierende Farbbestandteile testen. Weiche Kunststoffteile wie Zipperanfasser wurden auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die aus Rußpigmenten oder Weichmacherölen stammen können, analysiert.

Der Praxistest
Ein Rucksack sollte mehrere Stunden bequem sitzen, ohne Scheuerstellen zu verursachen und sowohl an zierliche als auch große Nutzer anpassbar sein. Diese Aspekte wurden von den Praxistestern u. a. anhand der Rückenkonstruktion, der Polster, der Rucksackmaße sowie mithilfe von Versuchspersonen beurteilt. Ebenso wollten wir wissen: Ist die Handhabung der Gurte und Verschlüsse einfach oder umständlich, wie zugänglich ist das Hauptfach? Und wie gut halten Nähte, Reißverschlüsse und Steckschließen? Auf dem Prüfprogramm standen zudem die Wasserdichtigkeit der Regenhülle, ein Beregnungstest ohne Regenhülle sowie eine Messung des Volumens.

Die Bewertung
In erste Linie sollte ein Rucksack praxistauglich und eine Anschaffung für etliche Jahre sein. Die Praxisprüfung ging daher zu 60 Prozent in das Gesamturteil ein. Schadstoffe in einem Outdoorprodukt wie einem Rucksack sind aber weder für die Gesundheit noch für die Umwelt akzeptabel. Daher berücksichtigten wir das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 40 Prozent beim Gesamturteil.

So haben wir getestet

Sammelt sich nach einem simulierten Regenschauer wenig oder viel Wasser im Rucksack

So haben wir getestet

Gute Lösung: Zum Anpassen des Hüftgurts werden die Gurtenden nach vorne gezogen statt nach hinten.

So haben wir getestet

Halten die Verschlüsse einer Zugkraft von 30 Kilogramm stand?

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