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ÖKO-TEST Juni 2017
vom

Gesundheitsportale im Internet

Frag Dr. Google

Drei Viertel der Deutschen suchen im Internet nach Informationen zu Krankheitssymptomen. Den Arztbesuch sollte das nicht ersetzen. Denn manche Seiten im Netz schüren eher Ängste, als dass sie Antworten geben. Seriöse Gesundheitsportale vertiefen jedoch das Wissen über die Diagnose. Unsere Übersicht zeigt, welche Seiten zu empfehlen sind.

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26.05.2017 | Seit dem Start der ersten deutschsprachigen Gesundheitsportale vor rund 20 Jahren gibt es eine wachsende Zahl von Webseiten, die sich gezielt Gesundheitsthemen widmen. Besucher nutzen die Seiten nicht nur für eine Selbstdiagnose. Viele haben nach einem ärztlichen Befund auch das Bedürfnis nach Rückversicherung oder ergänzenden Informationen. Sie holen sich eine zweite Meinung ein oder suchen im Netz den Austausch mit anderen Betroffenen. Laut der Anfang 2017 veröffentlichten Studie "Wirkungspotenziale von Gesundheitsportalen" der Universitätsmedizin Mainz nannten die Teilnehmer am häufigsten folgende Motive, warum sie Gesundheitsportale nutzen: schnelle Auskunft über Krankheiten (76,1 Prozent), gezielte Suche nach Informationen zu auftretenden Symptomen (70,1 Prozent), Austausch mit anderen Personen über Erfahrungen und Ansichten (55,1 Prozent), Vorbereitung auf einen Arztbesuch (49,1 Prozent), Informieren über Medikamente/Therapien (45,3 Prozent), Suche nach mehr Informationen zu einer vom Arzt diagnostizierten Krankheit (42,7 Prozent).

Portale können dafür sorgen, dass der Patient insgesamt eine aktivere Rolle übernimmt und in Gesundheitsfragen aufgeklärter ist. Da Ärzte oft nicht über genügend Zeit verfügen, um ausgiebig über Diagnosen zu reden, oder ihr Doktorlatein für Laien nur schwer verständlich ist, gehen Patienten häufig vor oder nach der Sprechstunde ins Internet. Das verändert auch die Arzt-Patienten-Beziehung, wie Mediziner in ihrer Praxis täglich erfahren. "Ärzte müssen heute damit rechnen, dass sich Patienten fortwährend Informationen aus dem Internet beschaffen", sagt Dr. Julian Wangler, der die Mainzer Studie betreute. "Die Informationen können positive wie negative Wirkungen entfalten." Wangler schlägt den Ärzten vor, in der Sprechstunde aktiv auf internetbasierte Gesundheitsrecherchen einzugehen, deren Potenziale und Risiken zu thematisieren und sie für die Patientenbeziehung zu nutzen. "Wenn der Arzt auf die Recherchen des Patienten eingeht, kann er nicht nur möglichen Verunsicherungen vorbeugen, sondern er signalisiert zugleich auch Wertschätzung. Beides kommt der Patientenbindung zugute." In den Weiten des World Wide Webs kann sich der Ratsuchende allerdings auch verlieren. Es finden sich dort auch viele widersprüchliche Aussagen, unseriöse Anbieter oder wenig fundierte Informationen. In der Mainzer Studie gaben 44,1 Prozent der Teilnehmer an, seit der Nutzung von Gesundheitsseiten "gelegentlich verwirrter" zu sein. Schnell klickt man sich da auch mal krank. Mediziner haben für dieses neue Phänomen längst einen Namen: Cyberchondrie, abgeleitet von Cyberspace (virtuelle Welt des Internets) und Hypochondrie (Einbildung von Krankheiten).

ÖKO-TEST hat zwölf Gesundheitsportale genauer unter die Lupe genommen und zeigt auf, wer verlässliche Informationen gibt.

Dafür hat Dr. Beate Müller, Leiterin des Arbeitsbereichs Patientensicherheit am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main, mit ihrem Team die jeweiligen Seiten begutachtet.

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Weitere Informationen

So sind wir vorgegangen

Die Gesundheitsportale
Wir haben zwölf bekannte Online-Gesundheitsportale unter die Lupe genommen. Der Fokus lag auf Internetseiten, die Informationstexte zu Krankheiten und Diagnosen liefern. Arztbewertungsportale und reine Symptome-Finder sowie Seiten, die sich auf ein Krankheitsbild oder wenige Krankheitsbilder beschränken, haben wir ausgeklammert.

Die Begutachtung
Mit der inhaltlichen Überprüfung von Aussagen zu Gesundheitsfragen beauftragte ÖKO-TEST ein Team des Instituts für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Patientensicherheit, der Goethe-Universität Frankfurt am Main unter der Leitung von Dr. Beate Müller. Anhand der drei häufigen und vielgesuchten Krankheitsbilder Bluthochdruck, Bandscheibenvorfall (Lendenwirbelsäule) und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) - mit Fokus auf Kinder - untersuchten die Mediziner die Seiten auf ihre Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit sowie Neutralität gegenüber Werbung oder bestimmten Lehren, und ob die Beiträge Ängste schüren. Befand sich ein interaktiver grafischer Symptome-Finder auf den Seiten, wurde dieser anhand der Phänomene "Ohrgeräusch nach Konzertbesuch" und "Atemnot und Brustschmerz bei Herzinfarkt" getestet. Darüber hinaus prüfte ÖKO-TEST die Portale genauer auf Transparenz, Finanzierung und ob Werbung und redaktionelle Inhalte getrennt sind.

Die Bewertung
Auf eine Bewertung mit einem Gesamturteil haben wir verzichtet. Die Prüfung der Internetseiten stellt eine Stichprobe dar. Sie erfolgte vom 20. März bis 20. April 2017. In unserer Übersicht stellen wir die Vor- und Nachteile des jeweiligen Portals heraus. "Insgesamt ist die Qualität solide bis sehr gut, mit einzelnen Kritikpunkten", so das Fazit von Dr. Beate Müller und ihrem Team.

So haben wir getestet

Schmerzen im Lendenwirbelbereich: Der Bandscheibenvorfall war eine der drei von uns untersuchten Diagnosen.