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25 Schlafmittel im Test

ÖKO-TEST September 2016
vom 25.08.2016

Schlafmittel

Pillenposse

Der Griff zu rezeptfreien Schlafmitteln ist in ruhelosen Nächten verlockend. Doch unser Test von 18 pflanzlichen und sieben chemischen Präparaten zeigt: Ihre Wirkung ist mehr als fraglich.

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25.08.2016 | Der Automat brummt, langsam füllt der braune Faden die Tasse der Kollegin. Unter ihren Augen dunkle Schatten der vergangenen Nacht: "Wenn ich nicht einschlafe, dann schlafe ich nicht ein", erzählt die 34-Jährige müde in der Verlagsküche. Sie liege dann über Stunden wach und sei am nächsten Tag matt und kaum noch zu gebrauchen. "Es gibt Abende, da merke ich schon an meiner Nervosität vorm Zu-Bett-Gehen: Heute wird's richtig schwer." Etwa einmal in der Woche klappe es einfach nicht. Sie sei ein sensibler Schläfer. In psychisch belastenden Zeiten bekomme sie oft über Wochen kein Auge zu. In der Verzweiflung habe sie auch Tabletten vom Hausarzt probiert: "Das harte Zeug knipst einen richtig weg und man schläft auch durch." Erholend sei dies aber nicht gewesen. Wenn es gar nicht geht, schlucke sie mittlerweile rezeptfreie Doxylamin-Pillen: "Die machen mich wenigstens müde."

Mehr als jeden zweiten Deutschen quälen gelegentlich solche Ein- und Durchschlafprobleme. Das ergibt eine Studie des Robert-Koch-Instituts von 2013, an der 7.988 Erwachsene teilnahmen. An behandlungsbedürftigen Schlafstörungen litten davon 5,7 Prozent; hochgerechnet immerhin 4,6 Millionen Bundesbürger. Fast vier Prozent der befragten Männer und doppelt so viele Frauen erklärten zudem, mindestens einmal im Monat zu verschriebenen oder rezeptfreien Schlafmitteln zu greifen.

Die Pharmaindustrie verdient gut an ihnen. 233 Millionen Euro setzten Apotheken, Drogerien und Supermärkte mit rezeptfreien Präparaten um, errechneten die Marktforscher von Ims Health für das Jahr 2015. Das Gros mit 169 Millionen Euro machen davon pflanzliche Produkte aus. Gängigster Wirkstoff: Baldrian. Ganze 91 Mittel basierend auf der Heilpflanze sind derzeit als Medikament gegen Schlafstörungen zugelassen, erklärte uns das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Erstmals sei Baldrian in dieser Form 1993 bundesweit verkauft worden. Die Wirksamkeit müssen und mussten Hersteller dafür in vielen Fällen nicht mit eigenen wissenschaftlichen Studien untermauern. Für gängige Rezepturen genügt es heute etwa, auf die positive Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zu verweisen. Demnach belegt die Studienlage der vergangenen zehn Jahre für bestimmte Baldrianwurzel-Arzneizubereitungen zwar keine objektive Wirksamkeit, aber einen gut bewährten, praktischen Nutzen. Daher sei davon auszugehen, dass sie den Schlaf bei leichten Schlafstörungen verbessern. Die Forschung zu weiteren Baldrianprodukten sei unzureichend. Ihr über 30-jähriger traditioneller Einsatz bezeuge jedoch, dass sie sicher und nützlich seien, so die EMA.

Auch mit chemischen Schlaftabletten macht die Branche Kasse. Der Umsatz mit den sogenannten Antihistaminika betrug im vergangenen Jahr etwa 64 Millionen Euro. Ihre Wirkstoffe Doxylamin und Diphenhydramin vermarktete die Industrie ursprünglich als Allergiemittel. Ab 1978 wurden sie wegen ihrer müde machenden Nebenwirkung erstmals auch als Arzneien gegen Ein- und Durchsc

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Einkauf
Wir haben 25 rezeptfreie Schlafmittel in Apotheken, Drogerien und Supermärkten eingekauft: Sieben enthalten chemische Substanzen (Diphenhydramin, Doxylamin). Der Rest basiert auf pflanzlichen Wirkstoffen, unter anderem Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblumenkraut. Der Test umfasst nicht nur Tabletten, sondern auch alkoholische Tinkturen und Presssaft.

Wirksamkeit und Beipackzettel
Helfen die eingekauften Mittel wirklich gegen Schlafstörungen? Diese Frage hat Professor Manfred Schubert-Zsilavecz für uns beantwortet. Für sein Gutachten durchforstete der Experte vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt die wissenschaftliche Literatur zum Nutzen der einzelnen Wirkstoffe und -kombinationen. Zudem nahm er die Beipackzettel unter die Lupe.

Hilfsstoffe
Die getesteten Produkte bestehen auch aus Hilfsstoffen. Sie formen etwa die Tabletten und erleichtern die Aufnahme der Wirkstoffe in den Körper. Wir haben in den Gebrauchsinformationen auf deklarierte problematische Farb- und Konservierungsstoffe geachtet.

Bewertung
Unsere Bewertung orientiert sich am Forschungsstand: Maßgebend sind aussagekräftige klinische Studien und medizinische Leitlinien. So konnte ein Schlafmittel nicht besser als "ausreichend" abschneiden, wenn seine Wirksamkeit "wenig überzeugend" belegt ist. Mögliche Mängel in Dosierung und Darreichungsform verschlechterten das Gesamturteil weiter.

So haben wir getestet

Pillen können helfen. Doch welche wirken wirklich, welche haben Nebenwirkungen?