Startseite
21 Stille Mineralwässer zur Zubereitung von Säuglingsnahrung im Test

ÖKO-TEST August 2017
vom 27.07.2017

Mineralwasser, still, Säuglingsnahrung

Verwässert

Eltern greifen für die Zubereitung von Säuglingsnahrung häufig zu speziell dafür ausgelobten Mineralwässern. Nötig ist das nicht unbedingt. Trotzdem können wir viele der 21 geprüften stillen Mineralwässer ohne Einschränkung empfehlen.

6883 | 103

27.07.2017 | Viele Eltern denken wohl so: "Wir trinken doch auch Mineralwasser, warum sollen wir unserem Baby dann Leitungswasser geben?" Also greifen sie zu stillem Mineralwasser, um Muttermilchersatz anzurühren und Babybreie zuzubereiten. Aus gesundheitlicher Sicht ist es nicht nötig, die teuren Flaschen zu kaufen. Denn die Grenzwerte für Leitungswasser hält Professor Berthold Koletzko, einer der führenden Experten für Kinderheilkunde, für vollkommen ausreichend, um damit Babynahrung anzurühren. Nur wenn etwa der gesetzliche Nitrathöchstwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten werde, sollen Eltern - "vorsorglich", wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin schreibt - auf das spezielle Mineralwasser zur Zubereitung von Säuglingsnahrung zurückgreifen. Denn aus Nitrat kann Nitrit entstehen - und zwar sowohl in der Babyspeise selbst als auch im Verdauungstrakt des Säuglings. In der Folge kann es zur sogenannten Blausucht kommen: Der kleine Körper wird über das Blut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Grund zur Sorge vor zu hohen Nitratwerten im Leitungswasser besteht allerdings nicht. Ist das Grundwasser zu stark verunreinigt, müssen die Wasserversorger das Trinkwasser aufbereiten und für die Einhaltung der Grenzwerte sorgen. Ein Blick auf veröffentlichte Messwerte von 25 kommunalen Versorgern zwischen Greifswald und Lörrach zeigt: Es ist alles im grünen Bereich.

Es sei sehr unwahrscheinlich, dass der Grenzwert im Trinkwasser überschritten wird, sagt Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben, dem größten konzernunabhängigen Wasserversorger in Deutschland. Die Qualität sei flächendeckend hoch. Sollte doch einmal etwas schiefgehen, schlage das zuständige Wasserwerk Alarm. Dazu sind die Wasserversorger aber auch gesetzlich verpflichtet.

Anders als Trinkwasser dürfen die Produzenten natürliches Mineralwasser kaum behandeln. Es wird immer aus natürlichen oder künstlich erschlossenen Quellen gewonnen und direkt am Quellort in Flaschen gefüllt. Letztlich ist Mineralwasser Regenwasser, das über lange Zeit durch kleine Risse und Spalten im Erdboden in die Tiefe gesickert ist und das verschiedene Gesteinsschichten und Mikroorganismen dabei gereinigt und mit Mineralstoffen angereichert haben. Seine Qualität regelt die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung. Danach muss natürliches Mineralwasser "von ursprünglicher Reinheit" sein und "Mineralien, Spurenelemente oder sonstige für die Ernährung zuträgliche Bestandteile enthalten". Außerdem dürfen es Anbieter nur dann verkaufen, wenn es amtlich geprüft und anerkannt ist. Mineralwasser, das zur Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgelobt ist, muss dabei besonders strenge Grenzwerte einhalten.

Mit der "Reinheit" ist das allerdings so eine Sache. "Natürliches Mineralwasser" muss nicht gänzlich rein sein - solange der Verbraucher keinen Schaden nimmt. Das hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Juni 2013 entschieden. Ein Sprudel darf demnach Abbauprodukte von Pestiziden

ÖKO-TEST August 2017

Gedruckt lesen?

ÖKO-TEST August 2017 ab 4.50 € kaufen

Zum Shop

ÖKO-TEST August 2017

Online lesen?

ÖKO-TEST August 2017 für 3.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
21 kohlensäurefreie Mineralwässer speziell geeignet zur Zubereitung von Säuglingsnahrung haben wir quer durch die Republik eingekauft. Gezahlt haben wir von 13 Cent pro Liter für das Discountwasser bis 1,29 Euro für den Liter Wasser des Sozialprojekts Viva con Agua, mit dem die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern verbessert werden soll.

Die Inhaltsstoffe
Die Grenzwerte für Mineralwässer, die zur Zubereitung von Babynahrung geeignet sind - insbesondere mit Blick auf die Keimbelastung -, sind strenger als die Regeln für "normales" Mineralwasser. Entsprechend genau haben wir hingesehen. Wasser neigt dazu, Stoffe aus seiner Umgebung zu lösen - etwa aus dem Gestein, das es durchfließt. Mineralien machen das Wasser besonders. Andere Stoffe, wie Schwermetalle, Radionuklide oder Pestizide und deren Abbauprodukte - sind dagegen unerwünscht und zum Teil gesundheitsschädlich.

Die Weiteren Mängel
Die meisten verkauften Flaschen werden nur einmal verwendet; die Mehrwegquote sinkt seit Jahren. Auch die Transportwege, meist per Lastwagen, sind lang. Also haben wir genau geschaut, worin die Wässer angeboten werden. In den verwendeten Verpackungen sollten dann natürlich auch keine bedenklichen Materialien stecken. Schließlich haben wir kontrolliert, ob die angegebenen Mineralienwerte mit den im Labor getesteten übereinstimmen.

Die Bewertung
Was ist "natürliche Reinheit"? Wir nehmen die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung beim Wort und wollen, dass rein auch rein heißt. Daher orientieren wir uns im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes an den strengsten bestehenden Regelungen. Gerade bei der Strahlenbelastung sind wir sehr streng - schließlich geht es um Säuglingsnahrung.

So haben wir getestet

Einwegflaschen belasten die Umwelt stärker als Mehrweg. Daher werten wir sie deutlich ab.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 8/2017:

Mineralwasser für Säuglingsnahrung geeignet

Verwässert.

Eltern greifen für die Zubereitung von Säuglingsnahrung häufig zu speziell dafür ausgelobten Mineralwässern. Nötig ist das nicht unbedingt. Trotzdem können wir viele der 21 geprüften stillen Mineralwässer ohne Einschränkung empfehlen. Bei sechs Produkten haben wir jedoch etwas zu kritisieren. Der Grund: Pestizidmetabolite, Schwer- und Halbmetalle, Keime.