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ÖKO-TEST November 2017
vom

Tampons & Menstruationstassen

An Tagen wie diesen

Erdbeerwoche, Regel, Periode - viele Namen, die den gleichen allmonatlichen Vorgang im Körper einer Frau umschreiben. Um sich an "den Tagen" möglichst frei bewegen zu können, greifen viele Frauen zu Tampons oder, inzwischen immer öfter, auch zu Menstruationstassen. Wir haben beide Produktkategorien auf den Prüfstand gestellt.

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26.10.2017 | Als Laura B.* ihre Menstruationstasse kaufte, war sie gerade dabei, ihr Leben umzukrempeln. "Ich habe zu diesem Zeitpunkt mein Konsumverhalten generell infrage gestellt. Ich hatte mich entschieden, nachhaltig einzukaufen und wollte möglichst wenig Müll produzieren." Konsequenterweise betraf ihr Umdenken auch Tampons und Binden, mit denen jede Frau im Laufe ihres Lebens einen immensen Müllberg anhäuft. Waschbare Einlagen fand Laura, die voll berufstätig ist und auch sonst mitten im Leben steht, wenig praktikabel. "Als ich dann von den Cups gelesen habe, schien das eine gute Alternative zu sein und die wollte ich gerne ausprobieren." Aus dem unverbindlichen Probieren wurde eine Grundsatzentscheidung, mit der die 31-Jährige noch immer glücklich ist.

Laura, die die Tasse nun schon seit etwa zwei Jahren verwendet, wirkt bei ihren Erzählungen reflektiert, sie hat ein ausgeglichenes Verhältnis zu ihrem Körper. Aber sie räumt ein, dass womöglich nicht jede Frau damit umgehen kann. "Man muss schon in der Lage sein, den Cup in die Vagina einzuführen und nachher wieder zu lösen. Und man sollte kein allzu großes Problem mit Blut haben, da man es ja aus der Tasse in die Toilette leeren muss." Bei Weitem nicht alle Patientinnen, die Dr. Doris Scharrel in ihrem Praxisalltag als Gynäkologin im schleswig-holsteinischen Kronshagen erlebt, gehen so ungezwungen mit ihrem Körper und ihrem Zyklus um: "Frauen, die sich selbst nicht berühren und nicht einmal Tampons verwenden wollen, wird man nicht zur Menstruationstasse bewegen können. Da gehört ein besonderes Körpergefühl dazu und auch, dass man sich mit dem eigenen Körper ein bisschen auskennt."

Ihrer Erfahrung nach sind es vor allem junge, aufgeklärte Frauen wie Laura, die sich ganz bewusst für die Menstruationstasse entscheiden. Doch auch wenn das Interesse innerhalb der vergangenen drei Jahre zugenommen habe, stellen sie im Vergleich noch immer eine Minderheit dar.

Dass die Verwendung von Tampons, Binden und Co. noch immer unter dem gleichermaßen sperrigen wie angestaubten Begriff "Monatshygiene" zusammengefasst wird, sagt auch etwas über das Bild der weiblichen Periode in der Gesellschaft aus. Zwar werden Mädchen und Frauen in Deutschland während ihrer Tage nicht als "unrein" in Hütten außerhalb der Gemeinschaft abgeschoben, wie es mancherorts in Nepal der Fall ist, oder bleiben aus Scham dem Schulunterricht fern wie in einigen Ländern Afrikas. Doch enttabuisiert ist die allmonatliche Blutung auch hierzulande längst nicht.

Was Frau nun während ihrer Regel verwendet, bleibt eine ganz individuelle Entscheidung. Frauen, die der Menstruationstasse gerne eine Chance geben wollen, bekommen von Dr. Scharrel jedenfalls grünes Licht: "Ich sehe keinen Grund, hier einen warnenden Zeigefinger zu erheben", sagt die Frauenärztin. "Wenn sie sich damit wohlfühlt, kann das jede Frau ausprobieren. Abraten würde ich nur während einer Infektion, nach einer vaginalen Operation oder nach einer Geburt, denn der Wochenfluss ist keine normale Regelblutung. Er ist viel eiweißreicher und anfälliger für Infektionen."

Bei allem Interesse an nachhaltigen Menstruationstassen: Nach wie vor sind Tampons am beliebtesten, wenn es darum geht, das Monatsblut aufzunehmen. Von 2013 bis 2016 gaben laut der Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA) im Schnitt mehr als die Hälfte der befragten Frauen an, dass Tampons für sie die wichtigsten Hygieneprodukte während der Menstruation sind.

Gemein haben Tampons und Menstruationstassen, dass Frauen sich mit ihnen auch während ihrer Regel so frei bewegen können wie an allen anderen Tagen. Um sie bei der Wahl des richtigen Produkts zu unterstützen, hat ÖKO-TEST 15 Tamponmarken und sechs Menstruationstassen eingekauft und sie umfangreichen Laborprüfungen unterzogen.

Das Testergebnis: Tampons

Saugstark und sauber. In der Praxisprüfung gibt es an keiner der getesteten Tamponmarken was zu meckern. Bezüglich der Inhaltsstoffe überzeugen ebenfalls fast alle Marken. In der Summe heißt es deshalb: 14 Mal "sehr gut" und einmal "gut". Sowohl die drei aus Baumwolle gefertigten Bio-Marken als auch die meisten konventionellen Tampons mit Viskoseanteil sind empfehlenswert.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben zwölf gängige Tamponmarken und drei Bio-Marken eingekauft. Außerdem haben wir aus dem immensen Angebot exemplarisch sechs bekannte Menstruationstassenmodelle ausgewählt: fünf aus dem für die Produktgruppe gängigen Silikon und eine aus TPE, einem thermoplastischen Kunststoff.

Die Inhaltsstoffe
Zwei Produktgruppen, zwei unterschiedliche Testaufbauten: Experten haben die Tampons im Labor auf optische Aufheller, Formaldehyd, halogenorganische Verbindungen und Pestizide untersucht. Die Menstruationstassen haben wir einem umfangreichen Materialscreening unterzogen, außerdem prüften die Labore auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, zinnorganische Verbindungen, Schwermetalle und flüchtige Verbindungen.

Die Praxisprüfung
Die Tampons haben wir in einer synthetischen Vagina, der "Syngina", prüfen lassen: Saugen sie so viel auf, wie vom Hersteller versprochen? Wie stark zerfasern sie beim Entfernen? Und wie gut hält der Rückholfaden der Belastung stand? Bei der Wahl der passenden Menstruationstasse kommt es auf sehr viele individuelle Faktoren an, die umfassend kaum zu simulieren sind. Daher haben wir uns darauf beschränkt, ihre Aufnahmemenge zu messen.

Die Weiteren Mängel
Liegen dem Produkt Informationen zur richtigen Handhabung bei und finden sich Warnhinweise zum Risiko und den Symptomen des Toxischen Schocksyndroms (TSS)? Falls nicht, gab es Punktabzug als Weiteren Mangel.

Die Bewertung
Minuspunkte erhalten die Produkte für aus ÖKO-TEST-Sicht gesundheitlich bedenkliche Schadstoffe. Je mehr Abzüge, desto schlechter das Gesamturteil.

So haben wir getestet

Praxisprüfung im Labor: Mithilfe der sogenannten Syngina-Apparatur bestimmen die Prüfer die Saugfähigkeit des Tampons.