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ÖKO-TEST Mai 2016
vom

Katzenfutter

SchmackoKatz?

Rundum perfekt ist keines der 21 Nassfutter im Test. Aber immerhin schneiden vier Produkte mit "gut" ab. Die teuersten Marken sind nicht darunter. Über den Geschmack urteilen die vierbeinigen Chefs bei Ihnen zu Hause selbstverständlich selbst.

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28.04.2016 | Die Produktnamen klingen nach guten Restaurants für Zweibeiner. Auch die Preise vieler Marken unterstreichen den Flair von Luxus und "für meine Katzen ist nur das Beste gut genug". Aber was steckt im Schlemmer-Menü Wellness oder dem Katzenfutter Gans "Sensitiv"? Und worauf kommt es wirklich an beim möglichst artgemäßen Füttern einer Katze?

Erkranken viele Katzen durch falsches Futter?

Viele ältere Katzen haben Nierenleiden. Ursache und Wirkung sind hier aber nicht geklärt: Werden die Katzen älter, weil es ihnen so gut geht, und die Niere ist eben bei Katzen eine Schwachstelle? Oder steckt auch im Futter zu viel Nierenbelastendes? Tierernährungsexperte Professor Jürgen Zentek von der Freien Universität Berlin empfiehlt, bei älteren Katzen per Blutuntersuchung abklären zu lassen, dass kein unerkanntes Nieren- oder Leberleiden vorliegt. Bestehende Probleme könnten nämlich durch hohe Phosphor- oder Eiweißgehalte des Futters langfristig weiter verstärkt werden. "Tierhalter sollten sich zur Abstimmung der Ernährung auf das jeweilige Krankheitsbild beraten lassen, denn die angebotenen Spezialfutter sind nicht standardisiert", so Zentek.

Durch Dick und Dünn

Besser erforscht ist die Tatsache, dass Übergewicht infolge einer dauerhafte Überfütterung von Katzen die Gesundheit, Lebenserwartung und Lebensqualität beeinträchtigt. Viele gemütlich kuschelig aussehende Katzen sind übergewichtig. Der Tierarzt kann hier mit einem ehrlichen Wort sowie Tipps zur Anpassung des Futters zur Seite stehen. Nulldiäten sind für Katzen übrigens schnell lebensgefährlich.

Besteht das Futter aus Abfällen?

Gemessen daran, welches Fleisch Menschen hierzulande auf dem Teller haben mögen: größtenteils ja! Ob das schlecht ist, so lange die Katzen mit dem Futter gut versorgt werden, ist eine andere Frage. Wollte man Millionen von Katzen in Deutschland überwiegend mit bestem Muskelfleisch füttern, so müsste die Massentierhaltung von Schlachttieren noch mal aufgestockt werden. Katzenfutter besteht derzeit zu großen Teilen aus Resten der Fleischproduktion für den Menschen, zum Beispiel aus verschmähten Innereien, aus Knorpeln und Häuten. Auch für teure Marken, deren Werbung die Hochwertigkeit der Zutaten besonders betonen wie Royal Canin und Defu Bio, werden nach Angaben der Hersteller keine Tiere extra geschlachtet.

Wozu "Rohasche" und "Getreideerzeugnisse"?

Hinter dem auf den Verpackungen genannten Rohascheanteil verbergen sich nur die nicht verbrennbaren Mineralstoffe. Und obwohl Katzen strikte Fleischfresser sind, gelten die in Feuchtfuttern vorkommenden Getreideanteile Experten als unproblematisch. "Kohlenhydrate tragen zur Energiedeckung bei und können den zum Teil sehr hohen Proteingehalt im Futter ausdünnen", erklärt Dr. Ingrid Vervuert vom Institut für Tierernährung der Universität Leipzig.

Kann man Katzen vegetarisch ernähren?

Dr. Vervuert meint: "Katzen vegetarisch zu ernähren ist fast nicht machbar." Nach Meinung der Veterinärmedizinerin würden bei einer vegetarischen Ernährung der Katze zahlreiche Mangelerscheinungen drohen. Auch der Deutsche Tierschutzbund rät ab. Anders als Hunde haben sich Katzen im Laufe der Zeit nicht an die Essgewohnheiten der Menschen (und ihre Tischabfälle) angepasst.

Sollten Katzen Rohfutter oder Selbstgekochtes bekommen?

Selbstgekochtes oder B.A.R.F. (biologisch artgerechtes rohes Futter) muss gut auf die Bedürfnisse der Katze abgestimmt sein. Der Speiseplan darf nicht nur aus Fleisch ohne Innereien bestehen, aber zum Beispiel auch nicht zu viel Leber enthalten. Hygiene ist wichtig, und Schweinefleisch ist wegen eines für Katzen tödlichen Virus tabu. Wer selbst kochen oder "barfen" möchte, sollte sich tierärztlich beraten lassen.

Wer sein Tier mit Fertigfutter versorgt, der geht davon aus, dass darin keine Schadstoffe stecken und die Katze mit allem versorgt ist, was sie braucht. Wir haben 21 Feuchtfutter für Katzen in die Labore geschickt und sie ernährungsphysiologisch begutachten lassen.

Das Testergebnis

Überhöhte Gehalte bestimmter Mineralstoffe und Vitamine sind die Hauptprobleme. Eine der teuersten Marken fiel durch ein gesundheitlich ungünstiges Verhältnis von Calcium und Phosphor auf. Immerhin sind aus unserer Sicht vier Produkte für gesunde Katzen empfehlenswert. Von den drei Bio-Produkten fallen zwei mit "mangelhaft" durch.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 21 Nassfutter für Katzen in Supermärkten, bei Discountern, in Drogerien und im Heimtierfachhandel eingekauft. Mit im Test sind auch mehrere als besonders hochwertig oder natürlich beworbene Marken, auf die uns Leser hingewiesen hatten. Die namensgebende "Geschmacksrichtung" (Kalb, Truthahn, Lachs ...) war für uns kein Auswahlkriterium.

Schadstoffe und Gentechnik
In den zu Katzenfutter verarbeiteten Innereien können sich Schwermetalle angereichert haben. Wir ließen deshalb auf die Elemente Blei, Cadmium, Arsen und Quecksilber testen. Produkte mit bestimmten pflanzlichen Zutaten wie Getreide durchliefen außerdem ein Screening auf gentechnisch veränderte Bestandteile (GVO).

Die Ernährungsphysiologische Begutachtung
Die Zusammensetzung des Katzenfutters wurde im Labor genau analysiert. Den entstandenen Datenberg haben Experten an einem Universitätsinstitut für Tierernährung für uns ausgewertet. Sie analysierten, ob die Futter Katzen ausreichend mit für sie besonders wichtigen Aminosäuren (Taurin und Arginin), Vitaminen, Eiweiß und Mineralstoffen versorgen, ohne sie etwa langfristig durch zu hohe Konzentrationen zu belasten. Ihre Berechnung der für die Katze umsetzbaren Energie diente zudem als Basis für unsere Angabe der Futterkosten pro Tag und die Bewertung der Fütterungsempfehlungen. Rechtlich verbindliche Schätzformeln gibt es für diese Berechnung nicht.

Die Bewertung
Ein gutes Katzenfutter muss möglichst frei von Schadstoffen und außerdem auf die Bedürfnisse der Katze abgestimmt sein. Da Schadstoffbelastungen - Schwermetalle fand das Labor nur in Spuren weit unterhalb der Grenzwerte - und GVO in diesem Test kein Problem waren, ergeben sich die Unterschiede in den Ergebnissen vor allem aus Bewertung der Zusammensetzung und der Fütterungsempfehlungen.

So haben wir getestet

Ob's wirklich schmeckt "wie bei Oma" haben wir nicht untersucht. Wohl aber den Zuckergehalt messen lassen.