Startseite
23 teure Gesichtscremes im Test

Jahrbuch für 2018
vom 19.10.2017

Gesichtscremes, teure

Mehr Schein als Sein

Bekommt man für mehr Geld mehr Qualität bei Gesichtscremes? Oder zahlt man für geschicktes Marketing drauf? Unser Test an 23 Gesichtscremes, die zwischen 11,95 und 51,95 Euro pro Tiegel kosten, zeigt: Am Preis lässt sich die Qualität nicht ablesen.

4828 | 123

19.10.2017 | Kosmetikabteilungen und Parfümerien sind beliebte Anlaufstellen, wenn es darum geht, ein bisschen Luxus zu verschenken. Wer ihren Innenraum betritt, den umhüllt sofort eine dichte Duftwolke. Die einen mögen das als angenehm empfinden. Den anderen bleibt glatt die Luft weg. Und was für Parfümdämpfe gilt, lässt sich auch auf Wirkversprechen übertragen. Fast bedrohlich erscheint manch ein Szenario: "Frühzeitige Hautalterung", "oxidativer Stress", "schädliche Sonnenstrahlen" und "freie Radikale" heißen die Feinde der Haut, gegen die sie die Wundercremes verteidigen sollen. Es scheint, als hätten sämtliche Umwelteinflüsse zum Angriff gegen die menschliche Außenhülle geblasen. Ein ganzes Arsenal wird eingesetzt, um sie in Schach zu halten: An vorderster Front kämpft das "Phytocollagen" neben den "Stammzellen der Schwarzwaldrose", die Abwehrraketen des "Sensitivity Reducing Complex"-Systems erledigen den Rest. "Normale Produkte, ist die unterschwellige Message, reichen nicht aus. Es müssen ‚Spezialwaffen' her, um die Feinde zu besiegen. Dass solche Produkte ihren Preis haben, versteht sich von selbst. So wird auch der Begriff ‚erste Fältchen' zu einem Sesam-öffne-dich. Er schafft den Zugang zu den unter 30-Jährigen und garantiert lukrative Geschäfte", schreibt Rita

Stiens in ihrem Buch Schön um jeden Preis? "Gekauft wird die ‚Message'. Sie ist der Nährboden, auf dem die Marketingausgaben reichlich Früchte tragen."

Wir haben untersuchen lassen, für welche der 23 Gesichtscremes im Test Sie ohne Gesundheitsbedenken etwas mehr zahlen können und die Hersteller um Belege für ihre Wirkversprechen gebeten.

Das Testergebnis

Elf Produkte erhalten ein "sehr gutes" Testergebnis Inhaltsstoffe. Beim Gesamturteil reicht es aber nur sechs Mal zur Bestnote: Einige werden mit Wirkversprechen beworben, die die Hersteller nicht belegen konnten. Auch unbedenkliche Inhaltsstoffe vollbringen keine Wunder. Fünf der vermeintlich höherwertigen Cremes schneiden sogar "ungenügend" ab, darunter das mit knapp 52 Euro teuerste Produkt im Test. Das beweist: Am Preis lässt sich die Qualität nicht ablesen.

Zehn Cremes setzen auf künstliche Fette und Öle. Die sind für die Hersteller in der Anschaffung billiger, fügen sich aber bei Weitem nicht so gut ins Hautgleichgewicht ein wie natürliche Öle und Fette.

PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, stecken in acht Cremes. Das ist vor allem bedenklich, wenn weitere Problemstoffe wie das fortpflanzungsgefährdende Propylparaben und künstlicher Moschusduft, der sich im menschlichen Fettgewebe anreichert, enthalten sind. Kritisch sehen wir auch den Mix aus drei allergisierenden Duftstoffen in der Lancôme Nutrix Creme.

Zehn Produkte wollen mehr als Pflegecremes sein. Aber den Alterungsprozess aufhalten können Kosmetika nicht. Wir baten Hersteller, die besonders viel Wirkplus versprechen, dies zu belegen. Nur vier reichten vollständige, produktbezogene Studien ein. Allerdings belegen auch dies

Jahrbuch für 2018

Gedruckt lesen?

Jahrbuch für 2018 ab 9.80 € kaufen

Zum Shop

Jahrbuch für 2018

Online lesen?

Jahrbuch für 2018 für 8.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Ein bisschen mehr darf's schon kosten: Nach diesem Motto haben wir uns in Parfümerien und Naturwarenläden an Preisen zwischen 10 und 60 Euro orientiert. Zusammen kamen 23 Gesichtscremes, die man auch unterm Weihnachtsbaum finden könnte. Auf den Packungen sollten möglichst keine besonderen Versprechungen gemacht werden - "einfache" Gesichtscremes scheinen manche Hersteller in diesem Preissegment allerdings gar nicht erst im Sortiment zu haben. Dann griffen wir zu einer anderen Variante.

Die Inhaltsstoffe
Hoher Preis, gutes Produkt? Wir haben die Gesichtscremes im Labor auf ihre Inhaltsstoffe überprüfen lassen. Stecken darin problematische Konservierungsstoffe, bedenkliche UV-Filter, hautunfreundliche Fette auf Erdölbasis oder sonstige umstrittene Substanzen?

Die Weiteren Mängel
Wie immer waren die Umweltaspekte bei der Verpackung ein Thema. Außerdem wollten wir für die mit besonderen Eigenschaften beworbenen Produkte Wirksamkeitsbelege sehen. Wir baten deshalb die Hersteller, uns entsprechende, vollständige Studien zum Produkt zuzuschicken.

Die Bewertung
Problematische Substanzen bedeuten Punktabzug beim Testergebnis Inhaltsstoffe. Kann der Hersteller nicht belegen, was er seiner Creme auf der Verpackung zuschreibt, schlägt das aufs Testergebnis Weitere Mängel. Von einer Studie erwarten wir, dass sie sich auf das konkrete Produkt bezieht, das an einer ausreichenden Anzahl Probanden über einen aussagekräftigen Zeitraum getestet worden ist. Die Ergebnisse der einzelnen Testpersonen müssen ersichtlich sein. Als belegt gilt die Wirkung für uns nur, wenn das Produkt im direkten Vergleich zu einer herkömmlichen Pflegecreme, also nicht nur zur unbehandelten Haut, überzeugende Vorteile zeigt. Auszüge oder Wirksamkeitsbelege einzelner Inhaltsstoffe haben wir nicht akzeptiert.

So haben wir getestet

Rhetorik der Schönheitsindustrie: Um die Haut vor den ständigen Angriffen der Umwelteinflüsse zu schützen, bedarf es angeblich einer Armada an Inhaltsstoffen

Online abrufbar

Jahrbuch für 2018

Bestellnr.: J1710
Gesamten Inhalt anzeigen