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16 Faszienrollen im Test

Jahrbuch für 2017
vom 20.10.2016

Faszienrollen

Faszinierend?

Verspannungen lösen, Schmerzen lindern, die Leistung der Muskeln erhöhen: Die Hersteller von Faszienrollen versprechen viel. Doch den Nutzen der Schaumstoffwalzen belegen allenfalls gute Erfahrungen - die Datenlage ist bescheiden.

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20.10.2016 | Um Faszien ist ein wahrer Hype entfacht. Das Bindegewebe ist Gesprächsthema, seit Wissenschaftler postulieren, dass Faszien mehr sind als passive Muskelhüllen.

"Faszien sind ein Netzwerk, das den Körper zusammenhält und strukturiert", sagt Dr. Robert Schleip, Direktor der bundesweit einzigen Faszienforschungsgruppe an der Universität Ulm. Die klassische Anatomie verstehe unter Faszien lediglich flächiges, derbes Fasergewebe, das einzelne Muskeln und Muskelgruppen netzartig umhülle. Neuere Forschung zähle nun auch Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln sowie alle lockeren Bindegewebsformen dazu.

Schleip ist, wenn man so will, Auslöser des Hypes. Der Humanbiologe veranstaltete im Jahr 2007 mit Kollegen den ersten Faszienforschungskongress. Wissenschaftler zeigten erstmals Bindegewebsveränderungen anhand von hochauflösenden Ultraschallbildern. Bis dahin führten Faszien ein Schattendasein, so Schleip, da es keine messbaren Erkenntnisse gegeben habe. Die Fitnessbranche sei dann schnell auf den Zug aufgesprungen.

Ihr Verkaufsschlager sind Faszienrollen aus Schaumstoff in allen erdenklichen Farben, Härtegraden und Oberflächentexturen. Mit den Walzen gleitet man langsam und unter Druck des Körpergewichts über Rücken, Schenkel, Waden oder auch den Allerwertesten.

Ist der Wirbel um die Walzen eine Luftnummer oder sind sie für bestimmte Anwendungen hilfreich? Im ÖKO-TEST: 16 Massagerollen unterschiedlicher Anbieter. Wir haben sie zum Schadstoffcheck ins Labor geschickt und nach aussagekräftigen klinischen Studien gesucht, die ihren Nutzen belegen.

Das Testergebnis

Dem Hype zum Trotz: Die wissenschaftlichen Beweise für einen Nutzen der Faszienrollen sind dürftig. So schneidet kein Produkt besser als mit "ausreichend" ab. Sieben Walzen beurteilen wir wegen problematischer Inhaltsstoffe und fehlender Trainingshinweise mit "mangelhaft".

Halbwegs aussagekräftige Studien lassen sich an den Fingern abzählen. Kein Anbieter legte uns produktspezifische Studien zu seiner Rolle vor. Das Fazit, das zwei systematische Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2015 ziehen, ist ernüchternd: Zwar weist eine kleine Zahl hochwertigerer Fallstudien darauf hin, dass Faszienmassage möglicherweise einen positiven Effekt auf Beweglichkeit, Müdigkeit und Schmerzen nach dem Training besitzt. Doch es fehlt an hochqualitativer klinischer Forschung, die diese Wirkungen fundiert belegt. Was das Massieren mit Schaumstoffrollen aber genau im Körper macht und ob es das Bindegewebe tatsächlich verändert, weiß man zudem bis heute nur ansatzweise. Denn das Gros der erfahrungsbasierten Studien untersucht nur Trainingseffekte und nicht die Faszien selbst.

Dies bedeutet eigentlich: Nutzen nicht ausreichend belegt - "mangelhaft". Das postulierte Prinzip der Faszienmassage erscheint aber plausibel. Die jahrelange Physiotherapeutenpraxis und der Einsatz im Leistungssport weisen zudem darauf hin, dass die Walzenmassage offenbar die Erholung und kurzfristig die Beweglichkeit fördert. Daher stufen

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben Massagerollen von 16 Anbietern gekauft. Darunter Modelle großer Sportmarken, No-Name-Produkte sowie Lizenzkopien des Marktführers Blackroll. Die teuerste Faszienrolle kostete 69,90 Euro, für die preiswerteste zahlten unsere Einkäufer 16,19 Euro. Wichtig war uns, die gesamte Bandbreite der verfügbaren Formen und Belastbarkeitsgrade zu berücksichtigen. Der Test deckt daher sowohl verschieden weiche Rollen als auch unterschiedlich texturierte Massageoberflächen ab.

Die Inhaltsstoffe
Alle getesteten Faszienroller sind aus diversen Kunststoffarten gefertigt, überwiegend Schaumstoff. Um herauszufinden, was drinsteckt, durchliefen die Rollen zum einen ein umfangreiches Schadstoffscreening. Zum anderen fahndeten die von uns beauftragten Labore gezielt nach giftigen Schwermetallen, umstrittenen halogenorganischen Verbindungen, PVC/PVDC/chlorierten Verbindungen sowie krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Natürlich prüften die Labore verdächtige Rollen auch auf Formamid: ein Stoff, der möglicherweise das Erbgut schädigt. Er kann sich beim Aufschäumen aus Treibmitteln bilden.

Die Funktionalität
Die Massage des Faszienbindegewebes mit Schaumstoffrollen soll wahre Wunder bewirken: mehr Beweglichkeit, weniger Schmerzen, schnellere Regeneration, mehr Elastizität und Leistung der Muskeln. Unklar ist allerdings, wie haltbar die angepriesenen Effekte sind. Bewirkt das Kneten des Fasziengewebes überhaupt etwas? Lassen sich "Verklebungen der Faszien lösen", "Beweglichkeit verbessern" oder "Haltungsschäden entgegenwirken"? Erzielen moderate Sport- und Dehnungsübungen oder auch eine klassische Massage vergleichbare Effekte? Wir baten die Hersteller um die Zusendung produktspezifischer Studien, mit denen sie die Wirksamkeit ihrer Massagerollen für die beworbenen Anwendungsgebiete belegen. Zusätzlich haben wir auch selbst in Fachdatenbanken nach solchen Studien gesucht und befragten Experten, ob sie die Werbeaussagen für wissenschaftlich belegt halten.

Die Bewertung
Im Vordergrund stand für uns die Frage, ob es für die Faszienrolle überhaupt einen wissenschaftlich gut belegbaren Nutzen gibt. Positive Praxiserfahrungen von Sportlern und Therapeuten sind nach unseren strengen Kriterien zu wenig. Die Trainingsgeräte sollten aber natürlich auch frei von Schadstoffen sein. Daher geht das Testergebnis Funktionalität zu 70 Prozent in das Gesamturteil ein, das der Inhaltsstoffe zu 30 Prozent. Auch eine Rolle ohne Schadstoffbelastung kann das Fehlen belastbarer Wirksamkeitsbelege nicht ausbügeln.

So haben wir getestet

Giftiges Quecksilber fand das von uns beauftragte Labor im Produktlabel einer Faszienmassagerolle.

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